zitty-Kritik

Neben vielen anderen Superlativen ist Berlin auch die Hauptstadt der Umzüge. Das war schon seit Jahrzehnten so, passt aber besonders gut zur Generation der heute 20- bis 30-Jährigen, deren „Leben unter dem Stern der Unübersichtlichkeit steht“, wie Regisseur Dietrich Brüggemann das im Presseheft so schön ausdrückt. Jene Generation, von der äußerste Flexibilität verlangt wird, auch was den Wohnort angeht. Jene Generation, die wohl ein Leben lang auf eine unbefristete Arbeitsstelle warten muss. Jene Generation, deren Eltern es ihnen oft so schwer macht, gegen sie zu rebellieren, weil Mum und Dad ja auch schon kritisch und ­ökologisch und links sind. Jener Generation hat Brüggemann nun ein filmisches Denkmal gesetzt.
Wie schon im sehenswerten Vorgängerfilm „Renn, wenn du kannst“ hat er das Drehbuch um acht junge Leute zusammen mit seiner Schwester Anna Brüggemann geschrieben. Sie selbst spielt Dina. Die wird allseits umschwärmt und ist gerade mit ihrer besten Freundin Wiebke (Katharina Spiering) ­zusammengezogen. Das Pärchen Thomas (Robert Gwisdek) und Jessica (Alice Dwyer) hingegen sucht noch, und wenn sie auf dem ­Berliner Wohnungsmarkt endlich bezahlbaren Wohnraum gefunden haben, dann kann Thomas’ Noch-Mitbewohner und bester Freund Philipp (Jacob Matschenz) – der Bruder von Wiebke – endlich seine ­Liebste Maria (Aylin Tezel) aus Freiburg nach Berlin holen.
Und Wiebke? Die hat sich mal wieder in den Falschen verguckt: Michael (Alexander Khuon) sieht zwar gut aus, zeigt aber mehr Interesse an seinen Kumpels als an ihr. Swantje (Amelie Kiefer) wiederum, die jüngere Schwester von Wiebke und Philipp, hängt in Stuttgart fest und hat am meisten darunter zu leiden, dass sich die Eltern der drei Geschwister getrennt haben. Dann löst sich Philipp von Maria, weil er eigentlich in Dina verschossen ist, und Jessica beginnt ein Verhältnis mit Michael, der inzwischen mit Dina ein Paar bildet.
Klingt kompliziert? Ist es gar nicht. Dank des präzisen Drehbuchs und der pointiert aufspielenden Besetzung verliert man nie den Überblick, sondern lacht und leidet mit den Protagonisten, die sehr lebensecht mitunter heftig herumeiern. Brüggemann gliedert zudem seinen Film nach den vier Jahreszeiten, jede Sequenz wird durch eine fließende Montagesequenz abgeschlossen. Ein deutsches Kinohighlight, das locker über seine 118 Minuten trägt. Dietrich Brüggemann darf man auf keinen Fall aus den Augen verlieren. Martin Schwarz

Inhalt

Acht Freunde helfen sich gegenseitig beim Umzug. Immer wieder, über ein ganzes Jahr. Quer durch Berlin, aber auch kreuz und quer durch Deutschland. Beziehungen gehen kaputt, neue Liebe blüht auf, manchmal blüht die Liebe auch nur auf einer Seite, und manchmal wissen auch die Eltern nicht mehr, wo es eigentlich langgeht.