französischer Psychothriller von Hélène Cattet und Bruno Forzani mit Marie Bos, Delphine Brual und Cassandra Foret
Inhaltsangabe
Ana ist noch ein kleines Mädchen, als sie im verwunschenen Anwesen ihrer Eltern dem Leichnam ihres Großvaters begegnet. Zwischen Angst und Neugier ist sie dem schweigenden Haus ausgesetzt, in dem eine düstere Gestalt umherwandert. Als Teenager im Sommerurlaub erlebt sie erotisches Begehren und Begehrtwerden, für das sie von ihrer Mutter hart bestraft wird. Als junge Frau schließlich kehrt sie in das Haus ihrer Eltern zurück. Hier verlassen die Dämonen ihrer Vergangenheit das Reich der Fantasie und werden zu einer realen Bedrohung.
zitty-Kritik 02/2012
Moderner Surrealismus
„Amer“ (französisch für bitter) – ein Film wie ein Rausch. Man könnte versuchen, die Handlung zu beschreiben, die sich aus den Bild- und Tonfetzen kristallisieren lässt, aber das würde der Qualität des Werks von Hélène Cattet und Bruno Forzani nicht gerecht werden. In drei Segmenten geht es um Ana, die als Kind dem Leichnam ihres Großvaters nahekommt, als Teenagerin ein Erweckungserlebnis hat und in der finalen Sequenz des Films als erwachsene Frau in das Haus ihrer Kindheit zurückkehrt.
Erst hier offenbart „Amer“ seine erzählerische Komplexität, die das zuvor Gesehene in neuem Licht erscheinen lässt. Der Rausch an Sex und Gewalt, in den sich Ana hineinsteigert, lässt die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen.
Fast ohne Dialoge ist der Film gerade durch seine extreme Fixierung auf visuelle und akustische Reize so faszinierend. Mit farbgesättigten Bildern, extremen Nahaufnahmen und bruchstückhaften Zeichen formt das Regieduo eine Welt, von der man nicht weiß, ob sie die Realität darstellen soll oder nur in Anas Kopf existiert. Gefilmt an der Riviera in einem verfallenen Herrenhaus entwickelt „Amer“ mit seiner Ästhetik eine erotisch aufgeladene Atmosphäre, die ganz ohne explizite Aufnahmen auskommt. Im besten Sinne surrealistisch ist dieser Film, der so tief in den Hirnwindungen des Betrachters herumfuhrwerkt, wie es das meist an direkten Oberflächenreizen interessierte moderne Kino nur noch selten vermag. Michael Meyns
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