Anonymus
Inhaltsangabe
Angesiedelt in der politischen Schlangengrube des elisabethanischen Englands, spekuliert ANONYMUS über eine Frage, die schon seit vielen Jahrhunderten zahlreiche Wissenschaftler und kluge Köpfe von Mark Twain und Charles Dickens bis hin zu Henry James und Sigmund Freud beschäftigt hat, nämlich: Wer war der Autor der Stücke, die William Shakespeare zugeschrieben werden? Zahlreiche Experten haben darüber diskutiert, Bücher wurden geschrieben und Gelehrte haben ihr ganzes Leben der Aufgabe gewidmet, die Theorien, die die Autorenschaft der berühmtesten Werke der englischen Literatur umgeben, zu bewahren oder zu zerstreuen. ANONYMUS gibt eine mögliche Antwort und konzentriert sich dabei auf eine Zeit, als sich politische Intrigen und verbotene Romanzen am Königlichen Hof und die Machenschaften habgieriger Aristokraten, die die Macht des Throns an sich reißen wollten, an einem der ungewöhnlichsten Orte widerspiegelten: der Londoner Bühne.
zitty-Kritik 23/2011
Historiendrama
Ach wie sind die Zeiten herrlich schmutzig in England rund um das Jahr 1600 – und das gilt nicht nur für die Zähne der Regentin Queen Elizabeth I. Denn hier wird intrigiert, verheimlicht, erpresst und herumgevögelt, dass es eine heidnische Freude ist.
Diese Welt lässt Roland Emmerich in „Anonymus“ nun mit viel Verve wieder auferstehen. Mittendrin: Edward de Vere, Earl of Oxford, überraschend zurückhaltend gespielt von Enfant terrible Rhys Ifans (vielen als der Typ in der Unterhose aus „Notting Hill“ in Erinnerung). Ihn nun porträtiert Emmerich als jenen brillanten Geist, der hinter den meisterlichen Versen William Shakespeares steckt, seine wahre Autorenschaft aber wegen der Standessitten des Adels auf keinen Fall preisgeben darf. So schlüpft auf Umwegen der mittelprächtige Schauspieler William Shakespeare – Emmerich zeigt ihn als Unsympathen und Opportunisten – in die Rolle des Schöpfers der zeitlosen Dramen, die bei ihren Uraufführungen gefeiert werden.
Doch Emmerich legt auch ganz viel Wert darauf zu zeigen, wie am Hofe der Königin um die Macht gefeilt wurde. In diesem Intrigenspiel und bei der Frage, wer denn eigentlich nun von wem abstammt, kann man als Zuschauer die Übersicht verlieren, auch weil der Filme viel mit Rückblenden arbeitet. Dennoch ist dies hier ein pralles Stück Kino, bei dem Schauspieler wie Vanessa Redgrave oder David Thewlis mit sichtlichem Spaß mittun. Und wer sich über diese Auslegung der Autorenschaft Shakespeares ärgert – bitte sehr. Martin Schwarz
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