Another Earth
Inhaltsangabe
Mike Cahill erzählt in seinem gleichermaßen intimen wie provokativen Spielfilmdebüt ANOTHER EARTH mit schonungsloser Offenheit die Geschichte von Rhoda Williams (Brit Marling), einer hochbegabten jungen Frau, die versucht, eine schreckliche Tragödie wieder gut zu machen. Sie lebt in einer Welt genau wie der unseren. Doch dann, höchst unerwartet, erscheint über Nacht ein ganz ähnlicher Planet wie der unsere am Himmel, der provisorisch Erde 2 getauft wird. Wie ein riesiger, alles reflektierender Spiegel hängt er über uns. Für Rhoda ist dieser fremde, gespenstische Planet samt seiner parallelen Realität, die die Wissenschaftler vermuten, ihre letzte Hoffnung. Ein schrecklicher Unfall hat ihren Traum, Astrophysikerin zu werden, zerstört. Sie hat jeden Sinn für ihre Zukunft verloren. Nur die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit hält sie noch am Leben. Und so steht Rhoda eines Tages vor der Tür des renommierten Komponisten John Burroughs (William Mapother), jenes Mannes, dessen Leben sie unwiderruflich verändert hat. Beide sind sie vollkommen entwurzelt, misstrauisch und voller Zweifel, wer sie eigentlich sind. Und sie verlieben sich ineinander, gehen eine höchst ungewöhnliche, riskante Beziehung ein. Als Rhoda die unerwartete Chance bekommt, zur Erde 2 zu reisen, kommt die verborgene Wahrheit zwischen ihnen ans Tageslicht und eine elementare Frage tut sich auf: Was ist, wenn das größte Mysterium im Universum wir selbst sind?
zitty-Kritik 23/2011
Weltraum-Relexion
Nach Lars von Triers „Melancholia“ nähert sich unserer Welt ein weiterer Planet des Kinokosmos: ein Duplikat der Erde, „Another Earth“. Eines Tages steht sie am Abendhimmel und bringt die Menschen durcheinander. Politiker, Journalisten und Prediger wollen wissen, ob es jetzt jedes Meer, jedes Gebirge, jeden Menschen zweimal gebe. Und könnten wir dann unseren ganzen Schrott hier unten einfach stehen lassen und oben weitermachen? Wissenschaftler versuchen, Kontakt aufzunehmen.
Die Rahmenhandlung klingt wie eine Steilvorlage für einen Science-Fiction mit Special-Effect-Abenteuern im All. Doch „Another Earth“, das Spielfilmdebüt des US-amerikanischen Dokumentarfilmers Mike Cahill, bleibt weitgehend am Boden. Die hochbegabte Rhoda schaut beim Autofahren in den Himmel statt auf die Straße und verursacht einen Unfall. Eine Frau und ein Kind sterben, nur der Vater überlebt. Nach ihrem Gefängnisaufenthalt lernt Rhoda den Witwer kennen. Im Schatten von Erde 2, die auf eine zweite Chance im Leben hoffen lässt, keimt eine schwierige Liebe.
Ungewöhnlich sind auch die formalen Mittel des Films. Er setzt auf die zurückhaltenden Farben echter Häuser in New Haven, auf zarte Musik von Fall on Your Sword und das spontane Schauspiel von William Mapother und Brit Marling. Cahill hat viele Szenen gedreht, ohne die Darsteller proben zu lassen. Dennoch ist „Another Earth“ nur ein sehr guter, kein herausragender Film – weil Heldin Rhoda blass bleibt und Mike Cahill den vielseitigen Gedanken der zweiten Chance nicht weit genug verfolgt. Claudia Wahjudi
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