Another Year
Tragikomödie
Inhaltsangabe
Frühling, Sommer, Herbst, Winter... Ein Jahr im Leben von Tom und Gerri. Beide um die sechzig und seit vielen Jahren glücklich verheiratet. Ein Jahr voller Alltag und Gartenarbeit, Abendessen, Grillpartys, Freundes- und Familienkrisen. Mit Charme und Herzenswärme und seinem besonderen Gespür für die Komik und Tragik des Alltäglichen lässt Mike Leigh den Vorruhestand optimistische Funken schlagen und zeigt seine beiden Helden als Paradebeispiel für eine ganze Generation unternehmungslustiger und tatkräftiger Menschen in fortgeschrittenen Jahren.
zitty-Kritik 03/2011Wenn Gerri (Ruth Sheen) und Tom (Jim Broadbent) in ihrem hölzernen Unterschlupf im Gemüsegarten sitzen und innig aneinander geschmiegt darauf warten, dass der Regen nachlässt, dann spürt man: Diese beiden haben ihren Platz im Leben gefunden, sie kann so leicht nichts mehr erschüttern. Denn sie haben – einander. Tom und Gerri, beide jenseits der 60, sind das emotionale Zentrum im neuen Film des britischen Regiemeisters Mike Leigh. Gerri arbeitet als Therapeutin, Tom ist Geologe. Doch besonders der Umgang mit Freunden und Verwandten artet mitunter in Arbeit aus. Mary (Lesley Manville) zum Beispiel. Gerris Kollegin ist die Einsamkeit ins Gesicht geschrieben; sie sehnt sich so nach einem Partner, dass sie ihren Kummer gerne mal in einem Glas Wein zuviel ersäuft und sich zudem zu sehr für Joe (Oliver Maltman), den 30-jährigen Sohn von Gerri und Tom, interessiert. Oder Ken (Peter Wight), ein Jugendfreund von Tom, den ähnliche Sorgen plagen wie Mary. Die Crux: Mary kann Ken nicht ausstehen, Verkupplungsversuche sind also zwecklos. Im Herbst dann bringt Joe zur Freude der Eltern seine neue Freundin mit zu Besuch, was die zufällig anwesende Mary wenig erfreut.
Mike Leigh bleibt sich treu und erzählt – im Wandel der vier Jahreszeiten – einmal mehr von mitten aus dem Alltag gegriffenen Menschen, mit ihren Sorgen und Nöten, aber auch mit den hellen Momenten und den Überraschungen, die das Leben haben kann. Das gelingt ihm erneut in einer mitreißenden Intensität mit Schauspielern, die ihre Figuren „sind“, anstatt sie nur zu verkörpern. Großes Kino mit Gefühl und Verstand.
Martin Schwarz
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