Auf hoher See : Arbeitsbeginn der Piraten
Phase 1: Die Personalsuche
Am Anfang regiert das Chaos. Die Piraten müssen komplizierte Sachen lernen wie die eigene Unterschrift, das Kopieren von Papieren und Faxen. Auch mit den Computern in ihren Büros kommen sie nicht klar. Schwere Verletzungen holen sich die Abgeordneten beim Versuch, sich die schweren Laufwerke auf den Schoß zu legen. Ein neuer Geschäftsführer soll sich um die Organisation kümmern. Das Anforderungsprofil: Er muss ein Team führen können, braucht internationale Ambitionen und gute Kontakte zu jungen Menschen. Am nächsten Tag meldet die Bild-Zeitung: „Lothar Matthäus: Ich stehe bereit!“ Es wird nicht draus. Fußball sei voll 1.0, sagen die Piraten. Die Wahl fällt auf Sascha Lobo.
Phase 2: Der erste Abgang
Der transparenzpolitische Sprecher der Piraten hat alles versucht: Haushaltsberatungen und Kantinenmenü, Hammelsprung und Stuhlgang – alles landete bei Twitter. Doch die Follower verschwinden, für sie ist die FDP inzwischen interessanter. Die Liberalen sind wieder eine echte Spaßpartei. Berlin-Chef Christoph Meyer hat sich ein 1,8-Prozent-Logo unter die Schuhsohle kleben lassen und stellt seinen Landesverband neu auf, das Motto: „Freizeit muss sich wieder lohnen.“ Der transparenzpolitische Sprecher der Piraten gibt auf. Da es keinen Nachrücker gibt, bleibt der Platz leer. Der Einwand der Konkurrenz, er solle auch mal was ins Parlament einbringen, statt nur etwas herauszutragen, wiegelt er ab. „Das ist die typisch alte Denke der Parteien.“
Phase 3: Pizza-Connection 2.0
Zu Bonner Zeiten galt die so genannte Pizza-Connection aus Grünen und Konservativen als Vorbote einer schwarz-grünen Bewegung. Die Piraten versuchen es nun mit einer Annäherung an die Grünen und laden sie zum Pizzaessen ein. Die Kantine kommt für sie nicht infrage, weil dort die Internetverbindung zu langsam ist. Die Grünen sind etwas irritiert, als sie Pizzakartons geliefert bekommen, die würden der Umwelt schaden. Die CDU nimmt die Kartons gerne an. Die Grünen toben, Ober-Pirat Andreas Baum lächelt nur milde: „Ein echter Pirat ist schwarz – und auf einem Auge blind.“
Phase 4: Der Schwarzfahrer-Deal
Der verkehrsinternetpolitische Sprecher prescht mit einem Antrag vor: Alle Schwarzfahrer sollen aus den Gefängnissen entlassen werden. Als die CDU mault, lenken sie ein: Im Gegenzug sollen die Musiker aus dem ÖPNV verhaftet werden. Teile der CDU sind begeistert. Aus dem Hinterhalt meldet sich die FDP: Obdachlose sollten in den Bahnen Hochglanzmagazine verkaufen. Doch die FDP ist der CDU egal. Die Konservativen schmieden mit den Piraten Pläne für eine Autobahn, sie nennen sich „Schwarzer Block“, die Pizzakartons stapeln sich.
Phase 5: Alle ans Netz!
Die Piraten treten inhaltlich auf der Stelle. Nach 100 Tagen im Parlament hat der Hausdienst des Abgeordnetenhauses die Glasfaserkabel erneuert. Nun gibt es auch in der Kantine eine schnelle Internetverbindung. Bei der Behandlung des Antrags im Parlament werden die Neulinge vorgeführt. In der Fraktion gibt es Radikalisierung: Der sozialinternetpolitische Sprecher fordert, auch Asylbewerber- und Altersheime sollten WLAN bekommen und die Menschen über ihr Leiden twittern können. CDU-Mann Frank Henkel twittert seine Chance auf bundespolitische Ambitionen: „Richtig, Piraten! Alle müssen ans Netz, als nächstes die Atomkraftwerke # Parteifusion ;-)“
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