filmisches Tagebuch von Ki-duk Kim über seine Schaffenskrise nach einem schweren Unfall bei den Dreharbeiten zu seinem letzten Film
Inhaltsangabe
KIM Ki-duk zählt zu den renommiertesten Arthouse-Regisseuren weltweit. Traumatisiert durch einen Unfall am Set, stürzte der südkoreanische Filmemacher in eine schwere Depression. Es folgte eine Schaffenskrise und eine filmische Selbsttherapie mit dem Titel ARIRANG. Das ungewöhnliche Porträt zeigt KIM Ki-duks Leben in einer abgeschiedenen Hütte, seine Tränen, seine Wut und wie er sich und seine Filme in Frage stellt. ARIRANG ist ein schmerzender und erhellender Dialog zwischen dem Menschen und dem Filmemacher KIM Ki-duk. Der Regisseur nimmt uns mit in sein Innerstes und liefert einen ungeschützten Zugang zu seinem Werk. Eine aufschlussreiche Abhandlung über das Filmemachen und eine Offenbarung für alle KIM-Ki-duk-Liebhaber.
zitty-Kritik 03/2012
Die Filme des koreanischen Regisseurs Kim Ki-duk waren nie leicht und gelassen. Sie handelten meist von sozial isolierten, brodelnden Charakteren, die ihren Weg in einer Welt suchten, die von Gewalt und Einsamkeit geprägt ist. Mit „Frühling, Sommer, Herbst, Winter … und Frühling“ feierte Kim 2003 seinen Durchbruch, wurde anschließend regelmäßig auf die großen Festivals eingeladen, gewann Preise – ein Star des internationalen Kunstkinos. Bis bei den Dreharbeiten zu seinem bislang letzten Spielfilm „Bi-Mong“ fast eine Schauspielerin ums Leben kam und Kim in ein tiefes Loch fiel.
„Arirang“ (was in etwa „sich selbst erkennen“ bedeutet) ist Kims filmischer Versuch, sich aus seiner Depression zu befreien, seine bisherige Karriere Revue passieren zu lassen, Erfolge und Misserfolge zu reflektieren. In einer unbeheizten Hütte, irgendwo in den Bergen, lebt, nein, haust Kim. Er bereitet sich Essen auf einem Campingkocher, bastelt an diversen bizarren Kaffeemaschinenkonstruktionen und redet mit sich selbst. Mit einer Digitalkamera gefilmt, auf einem ganz normalen Computer geschnitten, inszeniert Kim einen Dialog zwischen verschiedenen Versionen seiner Selbst. Eine wütende, aggressive Analyse entwickelt sich, die oft kurz davor steht, zur selbstgefälligen Nabelschau zu werden. Und doch ist es faszinierend, Kim dabei zuzusehen, wie er kein Blatt vor den Mund nimmt, seinen künstlerischen Stillstand, der seine jüngsten Filme deutlich schwächer werden ließ, schonungslos anspricht und schließlich Szenen aus „Frühling, Sommer…“ einblendet. Dort spielte Kim selbst einen Mönch, der durch Selbstkasteiung zur Erlösung findet, was „Arirang“ in gewisser Weise zu einer Art Fortsetzung macht. Und so darf man auch hoffen, dass Kim durch „Arirang“, seinem stärksten Film seit einigen Jahren, wieder auf den Weg zurückfindet, der ihn einst zu so einem aufregenden Regisseur machte.
Als Vorfilm zu „Arirang“ läuft in den Berliner Kinos der 30-Minüter „Nightfishing“ von Kims Landsmann Park Chan-wook, Regisseur von „Oldboy“ und „Durst“. Dieser erste Film, der komplett mit einem iPhone gedreht wurde, schafft es, trotz der reduzierten Form eine höchst enigmatische Geschichte über einen Mann zu erzählen, der beim Fischen ums Leben kommt und mittels eines Mediums mit seinen Hinterbliebenen kommuniziert. Ein toller Film, für den Park letztes Jahr den Goldenen Bären als Bester Kurzfilm gewann. Michael Meyns
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