zitty-Kritik 23/2011

Wo ist Simon? Der junge Arzt aus Deutschland scheint spurlos verschwunden. Seine Mutter weiß sich keinen anderen Rat, als seinen Ex-Geliebten Jens um Hilfe zu bitten – trotz ihrer Abneigung gegen die Homosexualität ihres Sohnes. Beide begeben sich auf die Suche in Marseille, wo Simon zuletzt gelebt hat.

Schon in seinen früheren Arbeiten schien der 1973 geborene Regisseur und Drehbuchautor Jan Krüger („Unterwegs“) weniger daran interessiert, Geschichten zu erzählen, als Momente, Situationen, Stimmungen zu beschreiben – mit fragmentarischer Handlung und knappen Dialogen. Sein neuer Film mutet nun ein wenig konventioneller an. Doch wieder wirken die sorgfältig komponierten Bilder, als spiegelten sie die innere Befindlichkeit der Figuren wider. Die Suche in der fremden herbstlichen Hafenstadt wird für die Frau und ihren jungen Begleiter zunehmend auch zu einer Reise zu sich selbst. Die beiden lernen nicht nur den Verschwundenen besser kennen, sie raufen sich zusammen, trotz aller gegenseitiger Vorbehalte, zu denen natürlich eine Vorgeschichte gehört – die der Zuschauer erst nach und nach erfährt oder eher erahnt und sich selbst zusammenreimen darf. Jan Gympel