Jeder Deutsche verursacht im Schnitt 450 Kilogramm Müll im Jahr. Der Recycling-Designpreis beweist das fünfte Jahr in Folge, dass es auch anders geht. Seit 2007 küren mehrere Vereine Produkte von Nachwuchsdesignern, die aus wiederverwerteten Materialien entworfen und produziert sind.
Bis Ende Juli präsentiert das Stilwerk zusammen mit dem Museum der Dinge die spannendsten Recyclingstücke, bevor die Ausstellung nach Düsseldorf weiterwandert. Rund 600 Produkte wurden von Designern aus 36 Ländern eingereicht, 28 davon schafften es in die Ausstellung, drei wurden prämiert. Der erste Platz des im Februar überreichten Preises ging an das Zürcher Designer-Duo Lea Gerber und Samuel Coendet und ihre Kuscheltiere „Outsiders“.
Die ehemaligen Teddybären und anderen Plüschtiere wurden auf links gedreht, gewaschen und vernäht. „Wenn man Leuten die Idee erklärt, kommt oft die
Reaktion: Ach, das ist ja simpel“, sagt Coendet. „Das ist das Schöne: ein so kleiner Eingriff transformiert das ganze Produkt in ein komplett neues.“ Der Favorit der Schweizer: ein traurig dreinblickender Braunbär. „Der braune Bär entstand als eines der ersten Plüschtiere“, sagt Coendet. „Ein anderes unserer Lieblingskuscheltiere ist ein Affe mit einem sehr schönen Innenleben – wenn man da drauf drückt, schreit er laut auf.“
Aber auch die rot-silbern glänzenden Sportschuhe von Valentin Schmitt aus Weimar, die er aus einem Feuerwehrschlauch und Sicherheitsgurten hergestellt hat, beweisen Ideenreichtum. Ebenso die aus einer Autobahnleitplanke gebaute Sitzbank von Felix Kaiser aus Münster.
Neben der Umweltverträglichkeit war die Alltagstauglichkeit der Designerstücke ausschlaggebend für ihre Bewertung. Und die stimmt bei Coendets Outsiders: „Wir dachten, Kinder rennen beim Anblick vielleicht davon. Aber ein dreijähriger Junge war unser Produkttester – der fand den Bären so lustig, dass er ihn vom Podest klaute.“ 

Bis 28.7., 8-22 Uhr, Stilwerk Berlin, Kantstr. 17, Charlottenburg, www.stilwerk.de