Inhaltsangabe

Eine chinesische Offenbachiade. Das Jahr 2030: Europa ist längst abgeschrieben, der Euro keinen Cent mehr wert. Viele Deutsche sind geflohen, nicht allein vor Bundeskanzlerin Andrea Nahles. Denn nach dem Scheitern der Ein-Kind-Politik in China sucht man hier händeringend Arbeitskräfte.

MUSIKTHEATER - Die Neuköllner Oper, wie immer am Puls der Zeit, hat sich nach Jacques Offenbachs "Pariser Leben" diesmal seine grotesk überdrehte Chinoiserie "Ba-ta-clan" zur Brust genommen. Der Autor Kriss Rudolph verlegt die Geschichte aus dem fiktiven chinesischen Mini-Kaiserreich, dessen Herrscher in Wirklichkeit Franzose ist, kein Wort Chinesisch spricht, seinen Migrationshintergrund aber mit absurden Winkelzügen vertuscht, in eine chinesische Glückskeksfabrik des Jahres 2030, in der deutsche Arbeitsmigranten einen Aufstand anzetteln. Eintritt 21 Euro.

 

zitty-kritk 16/2012

Die Neuköllner Oper, wie immer am Puls der Zeit, hat sich nach dem „Pariser Leben“ von Jacques Offenbach diesmal dessen grotesk überdrehte Chinoiserie „Ba-ta-clan“ zur Brust genommen. Das Team – Kriss Rudolph (Text) und Andrew Hannan (musikalische Fassung für elektronische Orgel) – verlegte die Geschichte aus einem fiktiven chinesischen Mini-Kaiserreich in eine chinesi­sche Fabrik des Jahres 2030, in der deutsche Arbeitsmigranten im Akkord Kisten für Glückskekse versandfertig machen müssen. Der Herrscher des Königreichs ist in Wirklichkeit Franzose, spricht kein Wort Chinesisch, vertuscht seinen Migrationshintergrund aber mit absurden Winkelzügen. Die Akkordarbeit und das Heimweh nach gutem deutschen „Blauklaut“ lässt die Arbeiter einen Aufstand anzetteln und „das Ludel übelnehmen“.
Regisseur Gustav Rueb hat das alles mit leichter Hand temporeich inszeniert. Die vier Protagonisten, Nini Stadlmann als ­Chefin Ai (Wei Wei), Dejan Brkic als Vorarbeiter Hung, Nikolas Heiber als Arbeiter Ma und Alexandra Schmidt als Arbeiterin Li, blödeln sich, vollkommen von der Rolle, kalauernd („Sich legen blinkt Segen“) und mit Spielwitz durch den einstündigen Abend. Vor soviel glandiosem Abelwitz kapitulielt selbst del klitischste Klitikel.

26.-29.7, 2.-5., 8.8., 20 Uhr, Neuköllner Oper.
Regie: Gustav Rueb, musikalische Leitung: Andrew Hannan; mit Nini Stadlmann, Dejan Brkic, Nikolas Heiber, Alexandra Schmidt.
Eintritt 17-21, erm 9 Euro