Daniel Brühl eröffnet eine Tapas Bar? Hat er das nötig? In der Regel haben Promi-Wirte auf der Leinwand nichts mehr zu melden, deshalb schmeißen sie sich an die Kochtöpfe. Anders Señor Brühl. Gerade lief im Kino sein neuer Film „Der ganz große Traum an”. Praktisch, so kann er in jedem Interview die Werbetrommel rühren. Die Idee für eine Tapas-Bar kam ihm bei einem Dreh in Spanien. Das neue Lokal ist nach einem Ausgehviertel in Barcelona benannt und liegt vis-à-vis zum Görlitzer Park.
Früher war hier das MIR drin, jetzt riecht es noch ein bisschen nach Farbe, im Hintergrund düdelt Soul. Die Gäste verteilen sich auf mehreren Ebenen, das Interieur mutet modern an: große Holztische, grüne Polsterbänke und mit Leder bezogene Hocker, eine Küche zum Reingucken. Brühl betreibt die Bar mit drei Freunden, die wie er spanische Wurzeln haben, darunter der Koch Miguel Ángel Millán. Servietten und kleine Gabeln liegen schon bereit, die Tapas (ab 4 Euro) kommen ruckzuck auf den Tisch. Für die gilt: Die fetten Jahre sind vorbei. Die Pimientos de Padrón, grüne Mini-Paprikaschoten, sind leicht gebräunt und mit Meersalz-Flocken bestreut. „La Bomba” ist eine kross-frittierte Geschmacksgranate aus Kartoffelbrei und Hackfleisch-Krümeln, serviert auf einem Klacks Mayonnaise. Der Salat Raval besticht mit einer Schnittlauch-Vinaigrette und gebratenem Gemüse als Topping. Dazu gibt es eine Tortilla mit dünn gehobelten Kartoffelscheiben, die – wie auch alle anderen Tapas – nicht mit Unmengen Knoblauch traktiert wird.
Zwei Attraktionen in der Bar Raval sind das Edelbier Inedit von Star-Koch Ferran Adrià und der Bellota-Schinken. Das Fleisch stammt von Schweinen, die ihr Leben Eichel-kauend an der frischen Luft verbringen durften.  Gewöhnungsbedürftig sind allein die flachen Gläser, in denen in der  Bar Raval sowohl Wasser, Bier als auch Wein serviert werden. Die Dinger erinnern irgendwie an Zahnputzbecher.
Alexa von Heyden