Inhaltsangabe

Das Leben in einer Kleinstadt gleicht dem Reisen durch eine Steppenlandschaft: Einerseits das Empfinden, etwas Neues und völlig anderes könnte hinter dem nächsten Hügel warten, andererseits aber auch die unendlich langen, monotonen Straße. Ein Suchtrupp bestehend aus einigen Polizisten, einem Staatsanwalt, einem Arzt, zwei Männern mit Schaufeln und einigen Soldaten sucht in der kargen osttürkischen Steppe die Leiche eines Dorfbewohners. Die Tatverdächtigen können sich jedoch nicht mehr an den genauen Ort erinnern, an dem sie den Toten vergraben haben. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Ansichten geraten die beteiligten Personen immer mehr aneinander.

zitty-Kritik 02/2012

Eine Autokolonne schleppt sich durch die spätabendliche anatolische Steppenlandschaft. Die Männer – Polizeibeamte, ein Staatsanwalt und Totengräber – suchen nach einer Leiche, doch der Hauptverdächtige gibt vor, sich an nichts erinnern zu können. So geht die Reise weiter in die Dämmerung.
Nuri Bilge Ceylan, Dauergast in Cannes, hat mit seinen ruhigen Filmen, die die Nähe zum Genre-Kino nie verleugnen, seinen eigenen Stil geschaffen. Diesmal verlegt er den Ort der Handlung erstmals aus der Großstadt in die Provinz. Die Menschen, die sich hier begegnen, könnten unterschiedlicher kaum sein. Staatsanwalt Nusret und der Arzt Kemal, beides Stadtmenschen, stoßen auf Kollegen, die auf dem Land aufgewachsen sind. Man redet über Joghurtsorten und Krankheiten, doch unter der Oberfläche führen Bildungsstandesdünkel und steile Hierarchien zu Misstrauen. Im Wechsel aus Groß- und kontrastreichen Nahaufnahmen ziseliert Ceylan die subtilen zwischenmenschlichen Spannungsmomente aus dem Trott der Ermittlungstätigkeit heraus. Je tiefer die Nacht, desto gereizter die Stimmung, desto größer aber gleichzeitig der Wunsch nach Nähe.
„Once Upon a Time in Anatolia“ zeigt in intensiven, kunstvollen Tableaus die Monotonie als Extremsituation eines Alltags, dem die Sehnsucht abhandengekommen ist. Bernd Buder