Teenagerliebe : Bubble-Tea
Marburger Straße, Ecke Ku’damm. Ein paar Mädchen mit Plastikbechern und Handys stehen auf dem Bürgersteig vor dem Bubble-Tea-Laden. Sie schlürfen und kichern. Die eine erzählt ihrer Freundin aufgeregt, sie habe „ihm“ gerade eine SMS geschickt, dass sie wieder hier seien. „Aah, er antwortet!“, kreischt sie dann und kichert wieder. Auch Vico und Anton aus Lichtenrade treffen sich hier. Shoppen, bummeln, Kumpels treffen. Zum Ku’damm kommen die 13-jährigen Schüler schon länger, aber der Treffpunkt ist ein neuer: Bobo Q, der Bubble-Tea-Shop. Freunde hatten ihnen davon erzählt.
Vicco und Anton, bis dahin keine großen Teetrinker, probierten es aus, fanden es „für Tee extrem lecker“ und sind seit einem Monat jeden Samstag in dem Laden, der mit seinen quietsch-orangen Couches und der weißen Theke wie eine Cocktailbar aussieht. Erfrischend findet Vico seinen kalten Mango Green Tea, den bestellt er immer, nur die platzenden Kugeln, die sogenannten Poppings, davon probiert er immer neue. Anton probiert fast alle Sorten Tee, aber am liebsten immer mit Lychee-Kugeln. Warum sie hierher kommen? In Lichtenrade gibt es keinen Bubble Tea. Noch nicht.
Der Siegeszug dieses Kultgetränks scheint unaufhaltsam. „Bobo Q“ war wahrscheinlich Berlins erster Bubble Tea Shop, mittlerweile gibt es über 20 davon. Im Februar 2010 eröffnete Ming Lai den Laden, Idee und Rezepte brachte er aus Taiwan mit. Dort wurde Bubble Tea in den 80ern erfunden. Damit die Kinder mehr Tee tranken, versetzten die Eltern ihn mit Tapiokakugeln. Die werden aus der Mehlstärke der Maniokwurzel gewonnen, mit Ahornsirup oder Karamell gekocht, sind glitschig und schmecken süß. Zum Importschlager in den USA wurde Bubble Tea in den 90ern, als dort statt der dezenten Tapiokakugeln „popping bobas“, saftgefüllte kleine Geleebälle mit diversen Fruchtaromen, gereicht wurden, die im Mund platzen. Auch der schwarze oder grüne Tee kann mit Fruchtsäften variiert und statt mit Popppings mit Kokosnussstücken getrunken werden.
In der Marburger Straße gehen täglich ungefähr 800 Becher des „Fun-Drinks aus Fernost“ für 3 bis 3,90 Euro über die Theke. Bobo Q hat innerhalb des vergangenen Jahres 13 Filialen in Berlin und neun weitere in anderen deutschen Städten eröffnet, andere sollen folgen. Auch Konkurrenz ließ nicht lange auf sich warten: Babbel T oder Buddha Bubble Tea heißen die Läden in Prenzlauer Berg und Charlottenburg, in der Rosenthaler Straße in Mitte macht demnächst der Flagship Store von Come Buy Bubble Tea auf, eine der größten Ketten auf Taiwan.
Tarkan Beyhaz freut sich, schon früh das Geschäft mit Bubble Tea entdeckt zu haben. 15 Jahre lang war er Friseur, hatte den Laden seines Vaters in der Oranienstraße in Kreuzberg übernommen. Bis er vor ein paar Monaten keinen Bock mehr auf Haare schneiden hatte. Das Friseurgeschäft hat Beyhaz in Bubble O verwandelt und verkauft dort seit Juni dieses Jahres Bubble Tea und Frozen Yoghurt. Die Zutaten für die bunten Drinks bezieht er wie die meisten Läden von Possmei, dem größten taiwanesischen Lieferanten, dessen deutscher Vertrieb von den Bobo-Q-Gründern geschmissen wird.
Die Teenager sieht Beyhaz aber nicht als seine Hauptzielgruppe. Bubble Tea sei vor allem ein Lifestyle-Getränk für körperbewusste Menschen, so der 35-Jährige. Der Tee sei schließlich gesund, und in allen anderen Zutaten sei kaum Chemie drin. Nur Fructose, essbare Farbstoffe und pflanzliche Gelatine, wie er auch seinen muslimischen Kunden immer wieder erklärt. „Das ist wie bei der Molekularküche“, sagt Beyhaz. Die Topseller in Kreuzberg sind Frozen Yoghurt mit Erdbeeren und grüner Bubble Tea mit Passionsfrucht.
Auch bei Bobo Q in der Marburger Straße gehen nicht nur Teenager ein und aus. Marcel, Nadine und drei ihrer Freunde kommen aus Bonn, kannten von dort schon Bubble Tea und suchten jetzt gezielt nach einem Laden während ihres Hauptstadtbesuchs. „Schmeckt wie Cocktails ohne Alkohol“, finden die 25-Jährigen. „Bubble Tea mit Schuss, das würde boomen!“ Kalle und Malin aus Stockholm sind mit ihrer fünfmonatigen Tochter auf dem Weg zum KaDeWe zufällig vorbei gekommen. Von Bubble Tea hatten sie noch nie gehört und sind neugierig. So etwas hätten sie schließlich in Schweden noch nicht gesehen. Sie probieren Peach Tea. Schmeckt das? „Gibt einen Energieschub und fühlt sich gesund an“, findet Kalle.
Am gesündesten ist da wahrscheinlich noch die wenig gesüßte und vergleichsweise geschmacksneutrale Variante mit Tapioka und Milchtee. Aber gerade die mögen in Berlin bisher die Wenigsten, auch Vico und Anton nicht. Die anhaltende Beliebtheit des Bubble Teas kann das aber kaum bremsen, Bobo Q beschäftigt sogar einen Sicherheitsmitarbeiter, der vor dem Laden steht. Der Grund: In Kombination mit den dicken Strohhalmen eignen sich die Poppings zum Ärgernis der Nachbarn auch ganz wunderbar als Spuckgeschosse.
Bobo Q, Marburger Str. 17, Charlottenburg, tägl. ab 12 Uhr, U Kurfürstendamm, www.boboq.de
Bubble O, Oranienstr. 38, Kreuzberg, U Kottbusser Tor, tägl. ab 12 Uhr, www.bubbletea-berlin.de
Babbel T, Rodenbergstr. 6, Prenzlauer Berg,
U S Schönhauser Allee, Mo-Sa 13-21 Uhr,
So 14-20 Uhr, www.babbelt.de
Buddha Bubble Tea, Kurfürstendamm 25,
Charlottenburg, Mo-Sa 10-22 Uhr, So ab 12 Uhr
Bubble‘s Tea Bar, Henriette-Herz-Platz 4, Mitte,
S Hackescher Markt, tägl. 10-22 Uhr,
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Kommentare
Au fein :) Mein Bubble Tea muss von Babbel T sein, hihi
Ja, find ich auch. Babbel-T inner Rodenbergstr. schmeckt am besten... und die Dame hintern Tresen so nett...
Meiner muss auch von babbelT sein, die anderen schmecken echt nur nach süßer Chemie! Und dann noch nen leckeres Stückchen Pandan-Kuchen *jamjam*
...und für die kalten Monate gibts den Tee jetzt auch in warm. Aber auch die heiße Schokolade ist ein Traum!!!! :-D Am Wochenende gehts wieder hin!
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