Galerien sind gute Orte, um über Luxus nachzudenken. Bei Johnen in der Marienstraße von Mitte funktioniert das momentan bereits im Vorbeigehen: Der englische Künstler Martin Creed hat das Tor zur Hofeinfahrt komplett mit Blattgold beschichtet und setzt damit dem mustergültig durchsanierten Straßenzug die Krone auf.
Dabei ist die einst aus dem Rheinland übergesiedelte Galerie Johnen gar nicht für schrille Effekte bekannt, sondern eher für ihr Konzeptkunst- und Fotografie-Programm. Eine diesbezüglich mustergültige Position stellt das Werk des 1949 geborenen, in Vancouver lebenden Künstler Rodney Graham dar, der mit „Canadian Humourist“ jetzt seine mittlerweile sechste Ausstellung bei Johnen eingerichtet hat.
Seit Beginn seiner Karriere im Umfeld der „Vancouver School“ leistet sich Graham nicht nur den Luxus, sich neben der Kunst auch ausgiebig mit Literatur oder Rock’n’Roll zu beschäftigen, sondern insgesamt das durchweg sympathische Image eines ­„verspäteten“ Künstlers zu pflegen. Auch in der aktuellen Berliner Ausstellung spürt man förmlich den Tritt auf die Bremse. Am offensichtlichsten feiert der Kanadier die Kunst des Verharrens mit den großen Lichtboxen, die er im oberen Stockwerk installiert hat: In der Werkserie „Smoke Break“ inszeniert sich der Künstler mit Detailversessenheit als pausierender Bauarbeiter (2011) oder Koch (2012). Schon klar: Die Zigarettenpause ist der letzte Mini-Anarchismus in einer ansonsten auf Effizienz getrimmten Arbeitswelt.
Kulturelle Trägheit zeichnet den „alten Punk am Münztelefon“ (2012) aus, den ein weiteres Großdia zeigt: Was waren das für Zeiten, als man Münzen zum Telefonieren brauchte und noch ganze Kulturtheorien um den Punk stricken konnte! Auf die Spitze getrieben wird das Retro-Spiel mit „Canadian Humourist“ (2012) – einer Fantasiefigur mit ergrauten Zottelkoteletten in Rolli und Schaffell-Puschen, die in ihrer plüschigen Übertriebenheit direkt einem Loriot-Sketch entsprungen scheint. Darüber wird man auch in 30 Jahren noch herzlich lachen können.

Bis 3.11.: Johnen Galerie, Marienstr. 10, Mitte, S/U Friedrichstraße, Di-Sa 11-18 Uhr, Eintritt frei, www.johnengalerie.de