Candide oder der Optimismus
Freiluft Philosophie
PREMIERE - Die beste aller möglichen Welten, in der die Menschen dem Philosophen Leibniz nach angeblich leben, ist nicht immer leicht auszuhalten. Das bekommt Candide, der Protagonist in Voltaires berühmtem Spottroman zu spüren und zwar derbe, drastisch, immer am eigenen Leib. Und natürlich nicht ohne Humor. In Alberto Fortuzzis eigenhändig inszenierter Spielfassung wird der französische Aufklärer Voltaire selbst einen Auftritt haben. Es spielen unter anderem Christian Schulz, Thorbjörn Björnsson und Sara Löffler. Eintritt 12 Euro.
zitty-Kritik 14/2012
Das gab es im Hexenkessel noch nie: Anstatt in den lyrischen Gefilden Italiens, Frankreichs oder Englands befinden wir uns mitten im märkischen Sand. Im Prolog des Herrn Voltaire wird dem imaginär im Publikum anwesenden Alten Fritz gehuldigt. In Potsdam war der französische Philosoph zwar längst in Ungnade gefallen, als er seine satirische Novelle schrieb. Aber das muss man im Friedrich-Jubiläumsjahr nicht so genau nehmen. Es geht sowieso schnell in exotischere Gegenden. Ganz wie im Roman führt die philosophische Beweisführung, dass unsere Welt eher ein Drecksloch als die Beste aller möglichen Welten ist, rund um den Erdball. Den naiv-optimistischen Candide verschlägt es auf der Suche nach seiner Geliebten von Ort zu Ort und von einer Katastrophe in die nächste märchenhafte Wendung. Bei diesem Reisetempo hat es die Komödie ein bisschen schwer. Bevor sich eine Situation richtig schön verwickelt hat, ist schon wieder Aufbruch angesagt.
Langeweile kommt trotzdem nicht auf: Kostüme und Masken sind ein Augenschmaus. Und die Schauspieler geben der etwas zotigen Textvorlage gehörig Zunder. Eine Portion philosophische Betrachtungen, reichlich Commedia-Maskenspiel – und am Ende muss doch jeder bescheiden den eigenen Garten beackern, damit die Welt ein bisschen besser wird.
28.-30.6., 3.-5.7., 10.+11.7., 19.30 Uhr, Amphitheater im Monbijoupark. Regie: Alberto Fortuzzi; mit Sara Löffler, Ina Gercke. Eintritt 12-18 Euro
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