"So schmeckt Berlin" | zitty 20/2011

Die französischen Besatzer haben einst die köstliche Baguettes nach Indochina gebracht, Banh Mi heißen sie in Vietnam und werden dort ganz besonders belegt. In Berlin hat Anh Vu, der in Saigon aufwuchs, den ersten Banh-Mi-Imbiss eröffnet. Alle Rezepte stammen von seinen Eltern und Großeltern. Acht Varianten finden sich auf der Karte (um die 4,20 Euro), zudem Banh Xeo, gefüllte Reis-Pfannkuchen.
Michael Pöppl

zitty-Kritik

Baguettes haben einst die französischen Kolonialisten nach Indochina gebracht. In Vietnam, Kambodscha und Laos gibt es sie heute noch: an Straßenständen, auf die Hand, gefüllt mit Fleisch oder Ei, dazu eingelegtes Gemüse und viel Koriander. Wenn sich der 29-jährige Anh Vu an seine Kindheit in Saigon erinnert, denkt er an diese Baguettes. Banh Mi heißen sie in Vietnam. Jeden Morgen haben ihm seine Großeltern eins auf den Schulweg mitgegeben. Da sie ein Feinkostgeschäft hatten, waren ihre Baguettes ganz besonders köstlich. Jetzt ist Anh Vu, der seit 17 Jahren in Deutschland lebt, in ihre Fußstapfen getreten und hat in Berlin einen Banh-Mi-Imbiss eröffnet.

Alle seine Rezepte stammen aus Vietnam. „Ich rede ständig mit meinen Eltern und Großeltern, um die Zutaten genauso hinzubekommen wie sie“, sagt er. Er macht alles selbst: die vietnamesische Leberpastete, das gegrillte Hackbällchen mit Zitronengras und Thai-Basilikum, die Hühnerwurst in einer Sternanis-Zimt-Kruste. Auch den Tofu legt er in spezielle Gewürze ein. So schmeckt jedes Baguette exotisch, ohne jedoch dass der ungewöhnliche Geschmack empfindliche Gaumen verstört. Acht verschiedene Banh-Mi-Varianten findet man auf der Karte, außerdem auch Banh Xeo, gefüllte Reis-Pfannkuchen, ein typisch südvietnamesisches Gericht, das in Berlin weitgehend unbekannt ist. Die in Vietnam beliebtesten Banh Mi, so Anh Vu, seien Classic (mit mariniertem Schweinefleisch für 4,20 Euro) und Special (mit vietnamesischer Fleischpastete und Schweinefleisch für 4,50 Euro). Alle Baguettes außer die vegetarischen (mit Ei oder Tofu für 4,20 Euro) bestreicht er zuerst mit würziger Leberpastete und dann mit selbst gemachter Mayonnaise. Danach gibt er den gewünschten Belag dazu und eingelegtes Gemüse, Tomaten, Gurken, Koriander, Lauchzwiebeln sowie eine selbst gemachte Sojasauce. Die Füllung ist üppig und saftig, das Brot locker und luftig. Man beachte: Es wird nicht aus Weizen- sondern aus Reismehl gebacken. Ganz anders als bei den Franzosen.