Das Koloniale Auge
Verrenkte Jogis, nackte Asketen, „edle Wilde“ oder Fürsten im prächtigen Ornat waren die interessantesten Motive für die europäischen Fotografen im Indien des 19. Jahrhunderts – und für deren Abnehmer in den Völkerkundemuseen. Die 300 Fotos und zehn Bücher aus dem Bestand des Berliner Ethnologischen Museums zeigen, wie Indien zum Klischee von Exotik wurde, in das wahlweise Sehnsucht- oder Überlegenheitsgefühle einflossen. Und: Das Andere wird stets am Eigenen gemessen. So projizieren die Fotos wie selbstverständlich die soziale Hierarchien Europas auf ein Indien, wo die nackten, langhaarigen Sadhus jedoch keine Freaks sind, sondern hochgeachtete heilige Männer.
Der Titel „Porträtfotografie“ ist missverständlich. Oft geht es nicht um die Person, sondern um Typ, Rasse, Milieu oder ein Genrebild, das mit Menschenmaterial ausstaffiert wird. So waren die Zeiten: Zum Teil wurden die Menschen mit gepanschtem Alkohol dazu gebracht, sich fotografieren zu lassen. Nachgeholfen werden musste auch, wenn es um die begehrten Nacktaufnahmen von Frauen ging. Denn die vermeintlich primitiven Inderinnen traf man in der Regel bekleidet an. Heute werten die veranstaltenden Ethnologen solche Praktiken natürlich als „skrupellos“. Die Präsentation im Fotomuseum soll nun aber auch einen Kunstwert in den kolonialen Aufnahmen herausstellen. Eine verwickelte Sache. Denn neben kunstvollen, würdigen Adelsporträts sieht man hier ebenso rassekundliche Aufnahmen.
Bis 21.10.: Museum für Fotografie, Jebensstr. 2, Charlottenburg, U+S Zoologischer Garten, Di-So 10-18, Do bis 22 Uhr, 8/erm. 4 Euro,
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