KUNST UND KALTER KRIEG - In Christa Wolfs Roman "Der geteilte Himmel" von 1963 trennt die Mauer ein Liebespaar, das weder im Osten noch im Westen das gemeinsame Glück finden kann. Unvereinbar schienen Lebenskonzepte in den beiden deutschen Staaten geworden. Auch in der Kunst taten sich Fronten auf, vor allem zwischen der Abstraktion in der Marktwirtschaft und dem sozialistischen Realismus. Die neue Sammlungspräsentation der Neuen Nationalgalerie lässt die Strömungen aufeinander treffen und spannt einen zeitlichen Bogen von 1945 bis 1968 (bis Ende März).

zitty-Kritik 01/2012

Unübertroffen Ungenau

Obwohl sich die Begriffe davon auflösen, was eine Nation überhaupt ist, gelten Nationalgalerien noch immer als Orte, die repräsentative Auskünfte über die offiziell anerkannte Kunst in einem Land geben. Die Neue Nationalgalerie macht damit  Schluss. Die Sonderausstellung „Der geteilte Himmel“, so genannt nach einer Erzählung der soeben verstorbenen Christa Wolf, würfelt Kunst der Jahre 1945 bis 1968 aus den Sammlungsbeständen zusammen: ein wenig aus Ost-, etwas mehr aus West-Deutschland und ausladende Arbeiten US-amerikanischer Künstler, die wie die von Donald Judd in die deutsch-deutschen Malerstreits grätschen. Für Differenzierungen bleibt nach dem ersten Saal buchstäblich kein Platz, auch nicht für die ästhetischen Einflüsse des zweiten großen Kalten Kriegers, denen aus der UdSSR. Dabei wissen es die Kuratoren besser, zeigte ihr Haus doch 2004 mit „Kunst in der DDR“ einen Überblick über das, was im Osten möglich war und was nicht. „Der geteilte Himmel“ ist eine kunsthistorische Hölle, die man einmal durchschreiten muss, um zu sehen, was nach unten alles möglich ist. Claudia Wahjudi