Der Hahn ist tot
zitty-Kritik 23/2011
Irgendwas muss ein Gastronom richtig gemacht haben, wenn bereits in der Eröffnungswoche eine Reservierung ratsam ist. Noch dazu in einer Gegend wie dem Zionskirchplatz, in der es zahlreiche Restaurants gibt. Entweder brilliert man mit einer besonders guten Küche oder mit einem ungewöhnlichen Konzept. Ralf Kern und Marcus Purkot haben sich für eine Kombination aus beidem entschieden. Die Idee: Zu einem Festpreis von 18 Euro bieten sie deutsch-französische Vier-Gang-Menüs an. Im Schneeweiß, wo Ralf Kern zuvor Küchenchef und
Co-Inhaber war, bekam man dafür gerade mal die Hauptspeise. Auch die Weine, die in Kooperation mit der Weinerei ausgewählt werden, erfreuen mit ihrem ausgewogenen Preis-Leistungs-Verhältnis, 15 Euro kostet eine Flasche Le Ciel Rouge, ein Vin de Pays d’Oc von 2010.
Bodenständig los geht es an diesem Abend entweder mit einem Elsässer Zwiebelkuchen oder mit einer Sellerie-Quitten-Cremesuppe, die sich der Gast selbst am Büffet holen muss. Ungewöhnlich, aber da die Suppe püriert wurde, ist die punktgenaue Zubereitung eher nebensächlich. Auch beim Zwischengang ist Mitarbeit gefragt. In die Tischmitte wird eine Salatschüssel gestellt. Wie viel Essig und Öl der Blattsalat mit Birnen und Granatapfel braucht, ist den Gästen überlassen und kann durchaus zu tischweisen Kontroversen führen. Ziel des Ganzen ist, so der Kellner, ein gemeinsames Esserlebnis zu schaffen, ähnlich wie in Frankreich.
Beim Hauptgang hat man dann die Wahl aus vier Gerichten: An diesem Abend Sauerbraten in Lebkuchensauce, Zanderfilet an Balsamico-Linsen, als vegetarische Alternative Kastanien-Pastinaken-Ragout. Ebenfalls in der Auswahl: Coq au vin, der immer auf der Karte steht. Das ist ehrliches Essen ohne Firlefanz. Die Saucen sind gehaltvoll, das Gemüse frisch, lediglich das Fleisch könnte etwas saftiger sein. Abgerundet wird das Menü mit einer nicht karamellisierten Crème Caramel.
Einziges Manko ist die Geräuschkulisse. Geselligkeit steht eindeutig vor Gemütlichkeit. Kein Restaurant für ein romantisches Dinner, aber wer mit guten Freunden in den „Toten Hahn“ geht, der wird einen feucht-fröhlichen Abend erleben. Martin Hildebrandt
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