Deux ou trois choses
Der Gastraum ist einladend, es brennt ein Feuer im Kamin, die Tische stehen großzügig weit auseinander – das Interieur hat Stil und ist gemütlich. Der Kellner kommt, begrüßt uns etwas gestelzt und sagt: „Ich bin heute Abend ihre Karte.“ Die Karte ist klein, denken wir, noch bevor er die zwei oder drei Vorspeisen und Hauptgerichte aufzählen kann. Vorneweg gibt es Verwegenes vom Schwein wie Schweinskopfsülze und eine Soup de Pain, eine Brotsuppe mit Pralinen von der Schweinenase (5 Euro). Das klingt nach einem typischen Rezept von Wanderkoch Wolfgang Müller, dessen fulminantes Kochbuch „Schwein“ am Tresen ausliegt und der hier wenige Tage zuvor ein Schlachtfest veranstaltete. Die Suppe ist einfach großartig: Die stark eingedickte Brühe ist würzig, typische Noten nach Majoran und Muskat dominieren. Sie harmoniert perfekt mit der kross ausgebackenen Praline und ihrem sämigen Inneren. Als Hauptgerichte stehen Ente, Pferd und Dorade zur Auswahl. Das Pferdefilet soll sehr zart und fein sein, der Vorweihnachtszeit geschuldet bestelle ich die Ente (15 Euro), der Kollege, der schon bei der Vorspeise mit den Augen rollte und eine vegetarische Alternative vermisste, nimmt die Dorade (15 Euro). Die kommt halbiert und punktgenau auf der Haut gebraten in mediterraner Art mit gegrilltem Gemüse ohne Fehl und Tadel, allerdings auch ohne Überraschung. Die Entenkeulen sind knusprig, innen zart und saftig. Die Beilagen, kleine Klöße und Rotkohl, sind selbst
gemacht und einen Tick raffinierter als gewohnt, was sich vor allem bei der Sauce zeigt. Dazu werden selbst gemachte Chutneys serviert, was wiederum typisch für die Schlesisch-Blau-Linie ist, wo man sich immer aus verschiedenen Essigen bedienen kann. Dieses Selbst-Nacharomatisieren der Speisen ist sicherlich eine schöne Spielerei, führt aber in den seltensten Fällen zu einem echten Gewinn. Der dazu empfohlene weiße Burgunder (28 Euro) bringt Eleganz, kaum Frucht und verhaltene Säure, was der Vorspeise und dem Fisch sehr gut steht, dem Fett der Ente aber nur wenig entgegen zu setzen hat. Trotzdem, der Service hat sehr gute Weinkenntnisse und sucht auch das Gespräch darüber. Wenn hier einmal Weinabende veranstaltet werden, begibt man sich gewiss in gute Hände.
Das Deux ou trois choses ist ein sehr schöner, aber auch spezieller Ort, wo man gegen die Strömung der Zeit einen sehr deftigen, der Tradition verbundenen Küchenstil pflegt. Das zeugt von Haltung, vielleicht ist es auch ein bisschen Food-nerdig, was durchaus mit dem Habitus des Service korrespondiert. Es könnte sich damit zu einem Geheimtipp entwickeln, für Gäste, die offen sind für (Wieder-)Entdeckungen und (Gast-)Köche, die ihren Respekt vor den Tieren damit ausdrücken, dass sie sie ganz verwerten.
Anfahrt:
- U-Bahn
Schlesisches Tor
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Kommentare
They push you to have a Cremant glass as an aperitif (which is a very low quality of sparkling wine), no wine menu, and wine prices are really high comparing to the affordability of the food. The food comes at a snail pace. They do not take Visa, Mastercard or Amex, just Maestro and Cash, without telling you before, or at least having a sign to let you know. Please eat somewhere else.
Cremant is actually a high quality sparkling wine
Wäre das nicht mal was für ein Abendessen? Gruß Thomas