Höhepunkte aus 775 Jahren Berlin: Die 31. Lange Nacht der Museen
In Belfast gibt es ein Museum, das ist dem Schiff Titanic gewidmet. Das Wunderbare dort: Die Ausstellungsmacher haben um die Story der Titanic ein riesiges Kapitel Stadtgeschichte gebaut, das veranschaulicht, wie Belfast eine Industriemetropole wurde. Wie sich das Leben der Menschen damals änderte, wie viel Lohn sie erhielten, was sie aßen und was die Frauen arbeiteten, während die Männer Schiffe zusammenschweißten.
In Berlin gibt es solch ein Museum nicht. Die Stadtgeschichte verteilt sich auf viele Häuser, deren Mitarbeiter genug damit zu tun haben, von Mittelalter und Preußen zu erzählen, von Kaiserreich, Nationalsozialismus, Weltkriegen und Vier-Mächte-Status. Sie erzählen auch viel von Hohenzollern, Schinkel, Friedrich und nochmals Friedrich. Was fehlt, ist der Bildungstempel, der das Leben all der vergessenen Käthe Müllers oder Fritz Ribekes würdigt, nicht anekdotisch und berlinernd, sondern seriös und auf aktuellem Stand von Forschung und Museumstechnik.
Doch nun findet am 25. August eine Lange Nacht der Museen statt, die ahnen lässt, welche Themen und Schilderungen des Alltags der Stadt fehlen. Die 110 teilnehmenden Häuser der Nacht widmen sich „775 Jahre Berlin“. Die Orte an den Routen lassen sich so auswählen, dass das schlichte Leben zu Ehren kommen kann. Zum Beispiel in der fantastischen Sammlung der Berlinischen Galerie: Das Kunstmuseum bietet eine Führung zu Stadtfotografien von Heinrich Zille an, der eher für seine „Milljöh“-Zeichnungen bekannt ist. Dem Besucher begegnen Menschen, die vielleicht Käthe Müller und Fritz Ribeke hießen, schwer an Kindern und Körben trugen, kein Bad hatten und zu wenig Geld für Schuhe.
Auch, wie Berliner aßen und essen, welche Motorräder sie lenkten, welche Straßenlaternen sie mögen, lässt sich in der 31. Langen Nacht erfahren. Es macht nur ein wenig mehr Mühe, als wenn man alles in einem Haus zusammen hätte.
Kommentieren
Kommentare
Es sind keine Einträge vorhanden