Inhaltsangabe

Der Film schildert die faszinierende Geschichte von Margaret Thatcher, einer Frau, die die zu ihrer Zeit noch verstaubten Geschlechter- und Klassengrenzen sprengte, um sich in einer von Männern dominierten Welt durchzusetzen. Es ist eine Geschichte über Macht und den Preis den man dafür bezahlen muss. Gleichzeitig ist der Film das überraschende und intime Porträt einer außergewöhnlichen und komplexen Frau.

zitty-Kritik 05/2012

Biopic

Spätestens wenn Margaret Thatcher ihr Mandat im Unterhaus gewonnen hat und ins Parlament einzieht – in stahlblau, aufrecht wie ein Ladestock, drängelt sie sich durch die mausgraue, gebückte männliche Konkurrenz – weiß man: Diesen Film konnte mit Regisseurin Phyllida Lloyd nur eine Frau machen, dies ist ein feministischer Blick auf die politische Karriere der Frau, die in Großbritannien nicht mehr beim Namen genannt wird. Zu tief sind die Wunden, die Mrs. T., diese Frau, dieses elende Weib, die Krämerstochter, die Milchdiebin in die britische Seele geschlagen hat. Zu viele politische Leichen blieben rechts und links am Wegrand liegen, auf dem Weg zum dortigen Wirtschaftswunder.

Vielleicht ist diese feministische Perspektive auch daran schuld, dass im Film auf die Regierungszeit der Premierministerin etwas allzu sanft herabgeschaut wird. Denn der Aufstieg der Margaret Thatcher in der britischen Standesgesellschaft ist schon erstaunlich: Von der kleinen Abgeordneten bringt sie es bis zur Regierungschefin, trotz ihrer kleinbürgerlichen Herkunft und ihrer schrillen Stimme.

Meryl Streep spielt 40 Lebensjahre dieser Frau absolut überzeugend, eine Tour de force, die in Zukunft in jeder Schauspielschule als Lehrmaterial eingesetzt werden wird. Besonders berührend: die alte Thatcher als geriatrische Heldin, die mit aller Macht gegen die Demenz kämpft. Im Kopf kann sie sich nicht von ihrem Ehemann (Jim Broadbent) trennen, der schon vor Jahren verstorben ist. Doch leider ist Lloyds Erzählweise mit den ineinander verschachtelten Rückblenden nicht clever, sondern nur kompliziert, die Schnitte machen aus diesem Film keinen atemlosen Film, sondern einen verwirrenden. Und dazu kommt für den hiesigen Seher: Die Brisanz einer positiven Thatcher-Biografie gilt wohl nur für England. Dort wird über den Film lebhaft diskutiert.

Denn wie im Fall Gorbatschow hat auch die Eiserne Lady im Ausland einen besseren Ruf als daheim. Tatsächlich wäre ihre Politik der strikten Haushaltskonsolidierung, ihr Streben nach einer moralischen Außenpolitik an Stelle einer pragmatischen (schließlich führte Thatchers Krieg gegen Argentinien zum Fall der faschistischen Junta) ein Modell für heutige Politiker. Und was die Briten gerne vergessen: Ohne Thatcher wäre das dortige Wirtschafts- und Jobwunder gar nicht möglich gewesen. Lutz Göllner