Die Summe meiner einzelnen Teile
Inhaltsangabe
Martins einzige Sicherheit sind die Zahlen. Vor nicht allzu langer Zeit war er ein genialer Mathematiker auf Karrierekurs in einem großen Unternehmen, verdiente gut, hatte eine Freundin. Ein geordnetes Leben. Er arbeitete bis zur Erschöpfung - bis er zusammenbrach und die Welt in tausend Einzelteile zerfiel. Nach der Entlassung aus der Psychiatrie verliert Martin seine Stelle, holt seine Sachen von der Exfreundin ab und isoliert sich. Er fühlt sich verfolgt und es fällt ihm immer schwerer, die Wirklichkeit mit seinen Zahlen zu bändigen. Jenseits der Zahlenkolonnen, am Rande der Stadt trifft er auf einen geheimnisvollen Jungen, der nur russisch spricht. Gemeinsam flüchten sie in den Wald. Fern von den Zwängen des Alltags beginnen sie ein neues Leben, bauen eine Hütte, werden Freunde. Sie streifen durch den Wald, über Wiesen und an Seeufer, erleben die in Millionen Farben glitzernde Wildnis. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis man Martin auch dort finden wird.
zitty-Kritik 03/2012
Drama
Der Berliner Regisseur Hans Weingartner blickt nach wie vor kritisch auf unsere Gesellschaft. Im Gegensatz zum Riesenerfolg „Die fetten Jahre sind vorbei“ (2004) mit Daniel Brühl und dem Nachfolger „Free Rainer“ (2007) mit Moritz Bleibtreu reduziert er seine Geschichte – als Koregisseur und -autor fungiert Cüneyt Kaya – diesmal auf ein Einzelschicksal, ohne den Anspruch, die Welt besser zu machen.
Im Mittelpunkt steht Martin Blundt (eindringlich: Peter Schneider). Der ist ein brillanter Mathematiker, hat aber offenbar nie wirklich gelernt, mit dem Leben klarzukommen. Nach der Entlassung aus der Psychiatrie fängt der junge Mann wieder an zu saufen, landet auf der Straße und lernt dort einen kleinen Jungen kennen. Der heißt Viktor (Timur Massold), kommt aus der Ukraine, spricht kein Wort Deutsch und schlägt sich mit dem Sammeln von Pfandflaschen durch Berlin. Die beiden tun sich zusammen und beschließen, sich im brandenburgischen Wald ein Domizil einzurichten und abseits der ihnen feindlich gegenüberstehenden Gesellschaft zu leben. Doch dann lernt Martin die attraktive Lena (Henrike von Kuick) kennen. Und er muss feststellen, dass das mit dem Abkapseln auf Dauer nicht gutgehen kann.
In seinem bewusst bedächtig inszenierten Film mit viel Handkamera konzentriert sich Hans Weingartner von Beginn an und recht schnörkellos auf seine gebeutelte Hauptfigur. Mit ihr zusammen entwickelt er einen regelrechten Sog, der einen ins Geschehen hineinzieht und mit Martin und Viktor bangen lässt. Auf einer weiteren Ebene reflektiert der Filmemacher zudem über Schein und Sein. So entpuppt sich der intensive Film erst auf den zweiten Blick als sehr vielschichtig. Martin Schwarz
Kommentieren
Kommentare
Es sind keine Einträge vorhanden