Jodelnde lesbische Zwillinge: „Down Under Berlin – Australian Film Festival“ zeigt Kino vom 5. Kontinent
Jenseits von Vorzeige-Regisseuren wie Baz Luhrmann und Peter Jackson findet Filmkunst aus Australien und Neuseeland eher selten den Weg ins deutsche Kino. Dabei hätten viele Werke ein breiteres europäisches Publikum verdient, wie jetzt zum zweiten Mal das Festival „Down Under“ zeigt. Neben Spiel- und Dokumentarfilmen sind auch Kurzfilmprogramme zu sehen, darunter Abschlussfilme australischer Filmhochschulen. Gastvorträge und Filmdiskussionen rahmen das Leinwandflimmern verbal ein.
Den Auftakt des Festivals macht mit Toomelah ein beachtlicher Film über das moderne Leben indigener Völker, der es 2011 ins Programm von Cannes schaffte. Mitten in der australischen Einöde liegt die Aborigines-Siedlung Toomelah, deren Einwohner nach ihren eigenen Regeln leben. Der zehnjährige Daniel ist gerade von der Schule geflogen, seine Mutter kifft, sein Vater trinkt. Fast beiläufig flicht Regisseur Ivan Sen Anspielungen auf Massaker und Verschleppungen ein, die die Siedlung womöglich zu dem trostlosen Ort gemacht haben, der sie jetzt ist.
Heiterere Töne schlägt die neuseeländische Außenseiter-Komödie Eagle vs. Shark von Taika Waititi an. Die schüchterne Fastfood-Kellnerin Lily hat sich schwer verguckt in den Videospiel-Nerd Jarrod. Tatsächlich weckt sie sein Interesse, als Lily auf Jarrods Verkleidungs-Party im Ganzkörper-Haikostüm erscheint und überraschende Talente beim Computerspiel offenbart.
Mit ähnlich schräger Personage kann auch die Doku The Topp Twins aufwarten. Mit einem entscheidenden Unterschied: Die lesbischen jodelnden Zwillinge Jools und Lynda Topp, die Konzerte mit frecher Stand-Up-Comedy mixen und schon seit Jahrzehnten in der neuseeländischen Schwulenbewegung aktiv sind, sind höchst real. Und haben prominente Fans wie Protestsongveteran Billy Bragg.
Nicht verwirren lassen sollte man sich von der etwas unübersichtlichen Einteilung der Filme in eine verhältnismäßig hohe Anzahl an Sektionen. So ist die Doku Children of the Iron Snake über die lebendige Graffiti-Szene Melbournes in der Kinder- und Jugendfilmsektion untergebracht, obwohl der Film sich eher an Erwachsene richtet. Sprühende Künstler schwärmen von nächtlichen Aktionen, streiten pro und contra Entkriminalisierung der Guerilla-Street Art, während Aufnahmen von umwerfenden Graffiti-Kunstwerken zeigen: Die beste Leinwand ist immer noch die gute alte Häuserwand.
„Down Under Berlin – Australian Film Festival“, 13.-16.9., Moviemento, www.downunderberlin.de
Kommentieren
Kommentare
Es sind keine Einträge vorhanden