Ein Tick anders
m. Gast
Inhaltsangabe
Eigentlich ist Eva glücklich auch wenn ihre Familie etwas seltsam ist: Oma sprengt ihren alten Staubsauger mit China-Böllern in die Luft, Vater sitzt in Schlips und Kragen im Park und schreibt Bewerbungen, Mutter ist im Dauer-Kaufrausch und Evas kleinkrimineller Onkel Bernie landet mit seiner Band einen Flop nach dem anderen. Und dann ist da noch Evas Tourette-Syndrom, das auch in ihrem sonstigen Alltag immer wieder für Probleme und komische Situationen sorgt. Im Kreise ihrer Familie, die ihre Krankheit kennt und akzeptiert, fühlt sich Eva aber geborgen und sicher. Kein Zucken und kein Pöbeln, höchstens mal ein kleiner Fluch oder ein freundlicher Hitlergruß - solange sie zuhause ist, ist alles gut. Die Situation ändert sich jedoch schlagartig als Evas Vater ein Job in Berlin angeboten wird. Muss Eva nun ihre vertraute Umgebung verlassen? Ein Plan muss her und zwar schnell. Denn eins ist für Eva klar: nach Berlin geht sie auf gar keinen Fall!
zitty-Kritik 14/2011
Tragikomödie
Die 17-jährige Eva bezeichnet die backende Mutter als „Kuchen-Fotze“ und begegnet auch dem Rest ihrer Umgebung mit verbalen Entgleisungen. Eva hat das Tourette-Syndrom, doch in ihrer familiären Umgebung fühlt sie sich sicher und glücklich. Die ist allerdings auch nicht ganz normal: Ihr Onkel macht mit Vorliebe aus ihren verbalen Ausbrüchen Songs wie den wunderbar schrägen „Arschlicht-Song“, und ihre Oma sprengt mit Böllern alte Haushaltsgeräte in die Luft. Doch außerhalb dieser geschützten Welt kann niemand mit Evas Ticks umgehen. Ausgleich und Ruhe findet sie im Wald bei ihren Lurchen, denen sie ihre Sorgen anvertraut. Doch als ihr Vater arbeitslos wird und mit der Familie nach Berlin ziehen will, wäre die neue Umgebung Stress pur für sie. Also schmiedet sie mit ihrem Onkel einen Plan.
Mit schrägem Humor und Wortwitz ist Regisseur Andi Rogenhagen ein charmanter Jugendfilm gelungen, dem man die etwas zu konstruiert wirkende Handlung gegen Ende gerne verzeiht. Parallelen zum kurz zuvor entstandenen „Vincent will meer“ gibt es außer der Tourette-Thematik nur wenige, da inhaltlich und inszenatorisch andere Wege beschritten werden. Besonders das natürliche Spiel und der lakonische Off-Kommentar der jungen Jasna Fritzi Bauer als Eva tragen den Film bis zum Ende. Marco Frenzel
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