Beschreibung

Greta arbeitet in einem Callcenter, geplagt von Statusängsten. Nachdem sie auch dort gefeuert wird, beginnt sie sich zu isolieren. Aber nicht nur das: Die ganze Welt hat sich gegen sie verschworen.

Inhalt

Greta M. (Mira Partecke), 40, eine Frau in Berlin mit einer postmodernen, brüchigen Architektinnenbiografie, verliert ihren Job. Auch im Callcenter wird sie gefeuert. Wie Don Quichotte kämpft sie gegen unheimliche Mächte an: ihren Sohn, die gefährliche Mutterschaft, den Bewerbungscoach, die verhinderte Architektur des neuen Berlins (Townhäuser, Humboldtforum, soziale Stadtgrenzen) und nicht zuletzt gegen die eigene Paranoia und Statusangst, eine Frau ohne Auftrag zu sein. Sie trinkt und driftet zwischen Anpassung und Widerspruch durch ihr Leben. Auf dieser Tour de Force zwischen Callcenter, Arbeitssuche, Jobcenter, Coach, Architekturbüros, Schule, Kneipen und Drifts durch Stadtrandgebiete - vom Berliner Mauerweg bis zur Fußgängerzone Oberhausen-Sterkrade, trifft sie auf die “Stadt der Frauen”. Zuverdienerinnen und makellose Maklerinnen im Dienstleistungsdeutschland. Die Begegnungen sind Momentaufnahmen von modernen Frauenleben. Nur die alte Hölderlinkennerin Dorothea spendet Trost und junge Chinesinnen weisen die Zukunft. Kommentiert wird die Lage der Frauen von Kluge, einem feministischen Blogger und Stadtführer.


zitty-Kritik

Flexibel sein heißt, sich zu biegen ohne zu brechen. Gerta biegt sich bodentief, seit sie ihren Job an eine globalisierte Welt verloren hat. Sie ist 40, ledig, eine arbeitslose Architektin mit Sohn. Sie treibt passiv durch Berlin, beruflich und privat, von einem Projekt, von einer Party zur anderen. Keinen Halt bieten freundschaftliche oder familiäre Strukturen.
„Drift“ nennt der amerikanische Soziologe Richard Sennett das Phänomen des Treibens in einer Welt der entfremdeten Arbeitsverhältnisse. Erkenntnisse aus seiner Studie „Der flexible Mensch“ hat Regisseurin Tatjana Turanskyj für ihren Film „Eine flexible Frau“ reflektiert: Das Porträt einer Treibenden in Großaufnahme, deren Schicksal symptomatisch ist für eine ganze Gesellschaft. Gerta taumelt durch die Topographie Berlins, dessen Brachflächen und Neubausiedlungen, Reichenviertel und Kreativszenen die Kulisse liefern für ihren leicht romantisierten Kampf zwischen gesellschaftlicher Anpassung und rebellischem Ekel. Auf ihrem teilweise überzeichnet absurden Weg vom Call- zum Jobcenter, vom Späti zum Charakter-Coaching trifft sie Frauen von heute: Zuverdienerinnen, Hausfrauen, Erfolgsdamen, Trinkerinnen. Der Film mit bitterem Beigeschmack zeichnet das bedrückende Porträt einer Gesellschaft, in der niemand so recht weiß, wohin.