Dokumentarfilm von Paul Poet über die Sehnsucht nach einer selbstbestimmten Gesellschaft
Inhaltsangabe
Der Traum von Utopia, vom besseren Leben im irdischen Paradies wird vom Menschen schon lange und in immer neuen Versionen geträumt. Doch die engmaschigen Lebensprinzipien der globalisierten Weltordnung lassen kaum Alternativen und Visionen zu. Ein Phänomen macht damit Schluss: Das Gründen von Gegengesellschaften. Auf der Suche nach einer idealen Lebenskultur bauen sich hunderte Do-It-Yourself-Staaten ihre eigenen kleinen Welten. Mikronationen, Eco-Villages und Sezessionisten beschreiten mit realen Territorien und Gemeinschaften alternative Wege des Zusammenlebens. In seinem dokumentarischen Abenteuerfilm EMPIRE ME unternimmt Paul Poet, selbst Veteran alternativer Netzwerke und sozialer Experimente, eine Reise zu sechs dieser Gegenwelten, die unterschiedliche Strömungen dieser Bewegung aussagekräftig repräsentieren. Was auf den ersten Blick bunt, charmant, skurril wirkt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als sympathisch exzentrische Kampfansage wenn dir deine Welt nicht passt, bau dir deine eigene! Mit den Bewohnern von Sealand, Hutt River, Damanhur, ZeGG, Christiania und den Schwimmenden Städten von Serenissima.
zitty-Kritik 02/2012
Dokumentarfilm
Unter dem Motto „Do-it-yourself“ lädt uns Autor und Regisseur Paul Poet auf eine Suche nach Unabhängigkeit ein. Exemplarisch stellt er sechs Gegenwelten des 21. Jahrhunderts vor, deren Gründer mit ihren unkonventionellen Lebensstilen ein Zeichen setzen wollen. So reisen wir nach Australien in die monarchische Provinz Hutt River oder betreten eine ehemalige Fliegerabwehrplattform im Meer, die als Server-Station für illegale Webseiten dient.
Während dieser hoch aktuellen Suche nach neuen Existenzformen verliert sich der Film immer wieder in Betrachtungen der skurrilen Lebensdetails seiner Protagonisten. Diese Zwischensequenzen in Videoclip-Ästhetik von Gruppensexorgien einer Therapie-Kommune oder Straßenkampfszenen im Freistaat Christiana stellen letztendlich die Kuriositäten dieser Individualisten mehr in den Vordergrund als deren Anliegen. So hinterlassen die hier vorgestellten Gesellschaftsformen bedauerlicherweise einen eher schalen Geschmack der Sinnentleertheit, über den auch kein kommentierender Offtext des Regisseurs hinweghilft. Schade, dabei könnte eine ernstzunehmende Aussteigerkultur in Zeiten wie diesen doch auf fruchtbaren Boden fallen. Sophie Narr
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Kommentare
Ich kann dem Kommentar "...stellen letztendlich die Kuriositäten dieser Individualisten mehr in den Vordergrund als deren Anliegen." nur zustimmen. Der Film enttäuscht sehr. Ich kenne die "Kommune" die aber keine Therapiekommune ist, und ich weiss auch dass es sich nicht um eine "Gruppensexorgie" handelt, sondern um ein Ritual der Sinnlichkeit (nicht dass ich was gegen Gruppensexorgien habe - in Berlin kann man auch so etwas aufsuchen!) Diese Kommune hat viel mehr Anliegen - ein gesunder Umgang mit Sinnlichkeit und Sexualität ist nur ein davon. Genau wie Christiana, wo das Leben doch etwas komplexer und vielfältiger ist, als man aus diesem Film sieht. "Schade!" Da kann ich auch Ihrer Kritikerin auch nur zustimmen!