Auf der Liste tragischer Hollywood-Heroinen steht sie ganz weit oben: Tod durch Überdosis mit 47 Jahren, davor Kinderstar, Oscar-Gewinnerin, gefeierte Sängerin – hochbezahlt und immer pleite. An Judy Garland arbeiteten sich fünf Ehemänner ab. Keiner schaffte es, sie von den Drogen wegzubringen. Das Stück von Peter Quilter setzt am Ende dieser verzehrenden Lebens-Achterbahn ein. Beim letzten Comeback-Versuch mit einer Konzertserie in London. In einer Hotelsuite versuchen Heiratskandidat Nummer fünf, Mickey Deans (wuschelig: Torben Krämer), und ihr Pianist (gediegen: Christoph Schobesberger) die völlig ausgebrannte Diva bei der Stange zu halten. Dazwischen geschnitten sind Auftritts-Schlaglichter mit ihren berühmtesten Songs. Wie bei angelsächsischen Well-made-Plays üblich, sind die Dialoge geschliffen und die Gefühlssprünge riesig – ein solide konstruierter und routiniert inszenierter Schlüssellochblick also.

Aber da ist noch Katharine Mehrling. Ihre Judy Garland macht diesen Abend zum Ereignis. Wie sie die Ängste einer Frau zeigt, die sich selbst abhanden gekommen ist, das ist phänomenal. Und erst die Songs: Jeder Ton zeigt eine andere Facette ihrer verwundeten Seele. Katharine Mehrling hat die Rolle ihres Lebens gefunden. Ein Triumph für diese Sängerin und Schauspielerin, die zu den Besten des Landes gehört – was leider immer noch viel zu wenige wissen. Gerd Hartmann