Inhaltsangabe

Mozarts Singspiel als tragisch-komisches Rundum-Theater, in dem sich der vermeintliche Kampf der Kulturen als Psychodrama entpuppt, das alle Figuren an den Rand des Wahnsinns treibt.

SINGSPIEL - Im Becken des Steglitzer Jugendstilschwimmbades verwandelt sich Mozarts berühmte Oper über die schöne Konstanze - nicht oder womöglich doch zu verwechseln mit seiner späteren Frau -, die getrennt von ihrem Verlobten Belmonte in die Hände des nur vermeintlichen Bösewichts Bassa Selim gerät, natürlich in etwas eher Ungewöhnliches. Der Serail ist plötzlich eine Wellness-Oase, als Kerker müssen die Umkleidekabinen herhalten. Es inszeniert Stefan Neugebauer. Eintritt 24-32 Euro.

 

zitty-Kritk 16/2012

Etwas karg, dieser Mozart im Stadtbad Steglitz. Keine Requisiten, kein Mobiliar außer einer riesigen Schaukel. So übernimmt das nostalgische Ambiente des Jugendstilschwimmbades allein das Setting für Mozarts Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“. Wenn der Fürstensohn Belmonte (Alexander Yagudin) auf der Suche nach seiner Braut Konstanze (Norina Kutz) seine Auftrittsarie singt, steht er vor einer Umkleidekabine. Ebenso wie Osmin (Hansjörg Schnaß), der Aufpasser im Serail. Der eine auf der rechten, der andere auf der linken Seite, ganz symmetrisch ordentlich. Das Publikum sitzt dazwischen im praktischerweise wasserlosen Schwimmbecken und beobachtet, ähnlich wie beim Tennisspiel, das hin und her wogende Spiel.
Keine postmodernistischen Mätzchen stören dabei das Agieren der Sängerdarsteller. Hier wird von der Regie (Stefan Neugebauer) nichts verfremdet oder aufgebrochen. Und das kommt dem wunderbar singenden Ensemble zugute. Mitten unter ihnen agiert auch der Ex-Schiller-Staatsschauspieler Friedhelm Ptok als mürrisch resignierender Bassa Selim, der sich zum Schluss, anders als bei Mozart, als Vater Belmontes entpuppt. Ein Schlag ins Wasser für den Klang ist die etwas trockene Akustik der Schwimmhalle.

27.+28.7., 1.8., 3.+4.8., 8.8., 20 Uhr, Stadtbad Steglitz. Regie: Stefan Neugebauer, musikal. Ltg. Helmut Weese; mit Norina Kutz, Sarah Behrendt, Friedhelm Ptok. Eintritt 24-32 Euro