Bühne - Rezension

Eventtheater: „Die Dreigroschenoper“

Es wurde im Vorfeld viel Bohei um Brandauers All-Star-Inszenierung von Brechts „Die Dreigroschenoper" gemacht – das Ergebnis ist dürftig.

Warum hat Klaus Maria Brandauer diesen Brecht inszeniert? Die Antwort ist er uns schuldig geblieben. Es sei denn, selbstkritiklose Eitelkeit eines Riesengroßfühlschauspielers gälte als Grund. Wenn sein Konzept nach eigener Aussage war, kein Konzept zu haben, dann haben wir nun gesehen, dass es so nicht geht. Regie ist bei dieser Aufführung ein Euphemismus. Die augenscheinlich kaum geführten Schauspieler stehen unmotiviert auf der Szene herum, Gottfried John ist ein derart erbärmlich schlechter Peachum, dass man sich fragt, wie er zu einem der international erfolgreichsten deutschen Schauspieler werden konnte. Die Spannung im Vorfeld, ob die Bauarbeiten rechtzeitig zur Premiere fertig sein werden, hatte weitaus mehr Dramatik als dann die zweieinhalbstündige behäbig-biedere Aufführung wie aus dem Theatermuseum.

Der größte Coup Brandauers war tatsächlich die Besetzung, allen voran mit Schauspielneuling Campino. Der ist kein so übler Mackie Messer, spricht immerhin gar nicht so schlecht, besser als er hier singt. Vielleicht hätte ein richtiger Regisseur ihn sogar zum Funkeln gebracht. Wenigstens schlägt Castorf-Schauspielerin Birgit Minichmayr Funken mit der Darstellung der Polly, ihre nonchalante Interpretation des Liedes von der Seeräuberjenny ist großartig. Ein seltener Spannungsmoment in einer müde mäandernden Nichtinszenierung.

Beim Applaus hagelte es zu Recht Buhrufe für Brandauer, frei nach Brecht: „Die Regie war gar nicht gut / Drum hau ihr auf den Hut.“

17.8.-24.9., Di-Sa 20 Uhr, So 18 Uhr. Regie: Klaus Maria Brandauer, mit Campino, Katrin Sass, Birgit Minichmayr, Gottfried John, Michael Kind, Jenny Deimling, Maria Happel. Eintritt: 17-79 Euro

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