Fernweh. Aus dem Leben eines Stubenhockers
URAUFFÜHRUNG - Thematisch das rechte Stück zum Urlaub in Berlin. Die Produktionen eines Hörspiels über einen Stubenhocker in einem Berliner Hinterhof und eines Reisemagazins vermischen sich auf wundersame Weise mit Schuberts für Klavier eingerichteter Wandererphantasie. Soll man überhaupt noch weg, wenn man mit Google Maps und StreetView eh schon da ist, bevor man überhaupt loskommt? Ein Resonanzstück mit Musik und vielerlei Projektionen. Eintritt 21-24, erm. 9 Euro.
Inhaltsangabe
In einem Hörfunkstudio wird das Hörspiel "Stubenhocker" produziert. Im angrenzenden Studio geht ein Reisemagazin auf Sendung, und in Studio P4 werden Klavierlieder eingespielt. Die zunächst parallel verlaufenden Geschichten beginnen sich zu vermischen, bis die Sprecher und Musiker einen radikalen Entschluss treffen.
zitty-Kritik
Daheim bleiben oder losziehen – die Ferne hat einen Sog. Aber muss man dem auch nachgehen? Zur Untersuchung dieser Frage hat man in der Neuköllner Oper ein komplettes Tonstudio aufgebaut, mit Sprecherkabinen, einem Regiepult und Pausensofa. Dort wird ein Hörspiel über einen Stubenhocker produziert, der die Welt in seine Hinterhofwohnung nur durch das geöffnete Fenster hereinlässt. Seine Gemütsverfassung bildet die Folie für eine assoziative Reise. Eine der Sprecherinnen hat es gerne extrem. Zum Nordpol einschließlich Eistauchen geht ihr nächster Trip. Bungee-Springen über einem Vulkan war vorvorgestern. Die andere kommt vor lauter Angst vor einer möglicherweise nicht abgedrehten Herdplatte nicht mal zum Flughafen.
Wie immer, wenn Matthias Rebstock und seine Crew ein Thema einkreisen, sind die Bühnenfiguren nur ein kleiner Anker, in einem manchmal komischen, manchmal nachdenklichen Mäandern über die Sehnsucht nach Wanderschaft. Da kommen plötzlich Meldungen von der S-Bahn, die wegen des Klimawandels ihren Betrieb einstellt. Und am Ende mündet die Reise zum eigenen Ich in einem mikrobenkleinen U-Boot, das im Inneren des Körpers seine Bahnen zieht. Dazu erklingt David Bowies „Major Tom“, während vorher Schubert mit allerhand Atonalem vermischt wurde. Zwischendurch verliert sich die Erkundung der Fremde zwar ein bisschen in der eigenen Fantasiefülle. Aber das Rauschen der Welt schlägt ebenso wunderliche wie trickreiche Saltos.
Gerd Hartmann
Eintritt 9-24 Euro
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