Gasthaus Alt Wien
Kritik
Man mag es kaum glauben: Die alpenländische Küche hat nun endlich auch das Bötzowviertel erreicht. Die Atmosphäre und vor allem die Kochkünste sind vielversprechend: Die Rindsuppe (3,80 Euro) ist heiß und gehaltvoll, die darin schwimmenden Leberknödel fluffig, der marinierte Tafelspitz mit Kernöl, Salat und abgerösteten Kürbiskernen (9,80 Euro) ist eine kleine Sensation, so zart kommt er daher. Das Saftgulasch (13,80 Euro) schmeckt deftig und wird von einem überdimensionierten, ebenfalls fluffigen Semmelknödel begleitet. Am Nebentisch wird eine Schnitzellandschaft (16,50 Euro) serviert, die golden knusprig über den Tellerrand wabert und den Erdäpfelsalat unter sich begräbt. Alles ist so, wie es sein soll in einem guten österreichischen Lokal: Der Schilchersekt kommt vom Weingut Reiterer, die Weine von Winzern wie Markowitsch, Heinrich, Sabathi, Bründlmayer oder Jurtschitsch. Biertrinker werden mit dem hellen oder dunklen Kapsreiter glücklich. Und für die Kleinen gibt es neben dem allseits bekannten Almdudler eine Marillenlimonade namens „Wachauer Kracherl“. Die schmeckt etwas süß, aber gar nicht schlecht. Die Anwohner rund um die Hufelandstraße nehmen das neue kuliniarische Angebot dankbar an. Sonntagabends ist das Lokal, das ein bisschen an das Kreuzberger Austria, ein bisschen an das Charlottenburger Engelbecken erinnert, gut gefüllt: Familien, Pärchen und einsame Männer haben an den schlichten Holztischen Platz genommen und studieren neugierig die überschaubare Karte mit den österreichischen Klassikern. Jetzt muss nur noch etwas Zeit vergehen, damit das Gasthaus die nötige Patina ansetzt, um seinem namensgebenden Vorbild in Wiens erstem Bezirk alle Ehre zu machen.
Anfahrt:
- Bus
M4 - Tram
200
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