Diese Insel ist besetzt

Gastronomie auf einer Insel bei Kyritz

Eigentlich arbeitet er als Regisseur. Nun ist Kai Seekings Pächter der kleinen Unterseeinsel
in der Kyritzer Seenkette. Er betreibt dort eine Gastronomie und hat große Pläne

Manchmal muss er sich noch kneifen, weil er es kaum glauben kann. Kai Seekings sitzt auf seiner eigenen Insel. „Die Zusage kam dann doch sehr plötzlich – eigentlich unglaublich.“ Den Traum ließ das Prignitzer Städtchen Kyritz wahr werden. Die Stadtverordneten suchten händeringend nach einem neuen Pächter für eine Gastronomie und sprachen mit sieben Bewerbern für das Eiland: Kreisrund ist das, 1,3 Hektar groß und mit einem alten Baumbestand. Seit dem 19. Jahrhundert kommen Bewohner dorthin.
Die historische Gaststätte ließ die Stadt vor zehn Jahren für über eine halbe Million sanieren. Der letzte Inselwirt Hans-Josef Köhnlein, ein Kölner, gab im Sommer des vergangenen Jahres auf, wie etliche zuvor schon. Köhnlein gab dem unregelmäßigen Fährbetrieb die Schuld am Scheitern seines Restaurantbetriebs. Im Internet beklagen Gäste wiederum mangelnden Service und durchschnittliches Essen. Abseits der touristischen Zentren haben es Gastronomen schwer im dünn besiedelten Brandenburg.
„Einfach nur ein Lokal zu betreiben, funktioniert nicht“, sagt Kai Seekings, „wir wollen unseren Gästen das Gefühl eines Zuhauses geben.“ Er will kein reines Res­taurant eröffnen und sieht in der ungewöhnlichen Anreise eher einen Vorteil. Der Ort sei ein geschützter Rückzugsraum, an dem Menschen sich wohlfühlen sollen.
Der 36 Jahre alte Seekings will die Insel öffnen für Aktivitäten aller Art, er hat jahrelang im Neuköllner Künstlerhaus L32 – einem Versuchslabor und Wohnkollektiv – gelebt, das mittlerweile geschlossen ist. Dabei sorgte Rosmarie Köckenberger mit dem Kjosk für gute Laune. Die Insel ist im Grunde eine Fortführung dieser Ideen – nur eben auf dem Land. Dabei will Seekings keine Oase für gestresste Hipster schaffen, sondern Vorurteile zwischen vermeintlich provinziellen Brandenburgern und arroganten Berlinern abbauen. So stammt das Fassbier aus der Neuköllner Rollberg­brauerei, die Bratwurst aus dem Brandenburger Hofladen Heilbrunn.
Kai Seekings ist längst überzeugter Brandenburger. 2012 zog er in das Dörfchen Teetz und gründete „Unser Wunderland“, eine Anlage mit Ferienwohnungen. Mit einigen Mitstreitern erarbeitete er auch das Konzept für die Insel, ohne daran zu glauben, am Ende den Zuschlag zu bekommen.
Die Bürgermeisterin von Kyritz, Nora ­Gör­ke, hat er überzeugt: „Besonders gefiel uns, dass die drei frische Ideen und vielfältige Erfahrungen mitbringen, aber die ­Geschichte und Tradition der Insel dabei nicht aus dem Auge verlieren.“
Nun schuften sie seit einigen Wochen für das neue Inselabenteuer.

16866 Kyritz, Seestr. 118, www.insl.tv

Essen: Waldschlösschen
Das Waldschlösschen ist ein prima Etappenziel auf dem Weg zur Insel, wenn im großen Garten nicht gerade eine Hochzeit gefeiert wird. Das Hotel hat eine gemütliche Gaststube und bietet beispielsweise Bärlauchrisotto mit Kirschtomaten (10,80 Euro) oder Buntbarschfilet im Kartoffelmantel (13,90 Euro). Das Haus liegt direkt an der Straße zur Insel.
1716866 Kyritz, Seestr. 110, Tel. 033971-307 80, Mo-Fr 15-22 Uhr, am Wochenende 10-22 Uhr, www.waldschloesschen-kyritz.de

Übernachten: Insel und Ferienhof Siemer
Wer zelten will, darf auch auf der Insel sein Zelt aufschlagen. Etwas komfortabler sind die Zimmer im Hotel Waldschlösschen. Und für Familien eignen sich die Wohnungen im Ferienhof Siemer, ein typischer märkischer Bauernhof. Eine Ferienwohnung für fünf Personen gibt es bereits ab 65 Euro pro Nacht.
16866 Bantikow, Dorfstr. 27a, Tel. 033979-142 41, www.ferienhof-siemer.de

Fahrrad fahren rund um Kyritz
Kyritz ist als Reiseziel von Berlin aus nur bedingt gut mit dem Fahrrad zu erreichen. Aber eine gemütliche Fahrradtour führt um den Obersee an einigen kleinen Badestellen vorbei. Zum Obersee gelangt der Radfahrer über die Wittstocker Straße, nach drei Kilometern erreicht man den See, der sich überraschend als Speicher­see entpuppt. Fünf Meter hoch ist die Staumauer. Das Wasser wird für die Landwirtschaft genutzt.
Alle Touren: www.zitty.de/radtouren

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