Porträt: Naschwerkskulpteur

Foto: Katharina Granzin
Katharina Granzin
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Die Yorckstraße ist wirklich kein lauschiges Gässchen. Aber sogar hier kann man von plötzlichen Feriengefühlen überwältigt werden, wenn man die Hausnummer 15 passiert. Ein Brünnlein plätschert, eine Kletterpflanze windet sich am Rosenbogen empor, Kissen auf grüngestrichenen Holzmöbeln laden zum Verweilen. Wenn dann noch der Duft frischgebackener Kuchen die Nase umschmeichelt, ist es um den eiligen Großstädter geschehen. Nun gut, so sei es. Für ein Stück Torte wird noch Zeit sein.


„Mr. Minsch“ steht an der Wand. Hier backt einer nicht nur Kuchen, sondern betreibt ein Projekt. Der wichtigste Bestandteil eines weiter gefassten Konzepts ist dabei die perfekte Torte. „Ich backe seit 26 Jahren“, erklärt der gelernte Konditormeister und gebürtige Oberfranke Andreas Minsch. „Kompromisse muss ich nicht mehr machen. Es gibt für mich von jeder Sorte nur noch eine ultimative Torte. Die ultimative Apfeltorte, die ultimative Schokoladentorte. Viele Rezepte stammen noch von seiner Mutter, wie das der ultimativen Pflaumentorte aus Mürbebutterteig mit gehobelten Mandeln, die später in diesem Sommer auf dem Programm steht.

Manche Inspiration hat Minsch auch aus der Ferne mitgebracht. In London war er, New York, Chicago und Barcelona, hat als „Underground-Konditor“, wie er es nennt, gearbeitet und die Kulturszene mit Torten und essbaren Requisiten versorgt; für den Regisseur Peter Sellars hat er einmal eine lebensgroße Mumie aus Teig und Marzipan kreiert. Später in Barcelona war Minsch mit Schokoladeobjekten, darunter einer von Picasso inspirierten Schokostöckelschuh-Installation, an Kunstausstellungen beteiligt.


In Berlin dagegen stand in den letzten Jahren der eigene Laden im Vordergrund. Da der jetzt gut läuft, beginnt der Naschwerkskulpteur allmählich über neue Kunstprojekte nachzudenken. Vorerst aber fertigt er gern auch auf Bestellung. Eine Hochzeitstorte für hundert Personen gehört da eher zu den konventionellen Aufträgen. Wenn man mal eine abgehackte Hand aus Marzipan benötigen sollte, ist man bei Mr. Minsch an der richtigen Adresse.          Katharina Granzin

Mr. Minsch, Yorckstr. 15, Kreuzberg, U Mehringdamm, Tel. 28 45 08 94, im Sommer Mi-So 12-21 h


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