Französisch: Vis à Vis

Foto: Sabine Münch, Michael Pöppl
Kai Reger
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Kann man von Gastro-Evolution sprechen, wenn am Prenzlauer Berg ein belangloses panasiatisches Restaurant von einem französischen Bistro abgelöst wird? Wertet es den Helmholtzplatz auf, wenn an seiner Nordspitze jetzt Steak Frites statt Wan Tans serviert werden?
Zumindest preislich hat sich die Ecke ein bisschen weiter nach oben entwickelt. Wie überhaupt der ganze Kiez, der vor Jahren noch mit EU-Hilfe und Sanierungskonzepten gegen sein Schmuddelimage ankämpfte und heute als die Wohngegend für betuchte Medienschaffende im Nestbaurausch gilt. Dabei ist der „Helmi“ eigentlich ein Missverständnis: Er bietet nicht die Lebensqualität, die er als begehrte Brutstätte bieten müsste, und bis auf einige überflüssige und überteuerte Läden lebt man hier auch nicht in dem Luxus, den eines der teuersten Wohnviertel Berlins haben müsste. So gesehen passt das gerade eröffnete Vis à Vis quasi mundgerecht zum Helmholtzplatz: Es nennt sich französisch, bietet aber allenfalls einen kleinen Ausschnitt der französischen Bistroküche an, darunter die besagten und gut gemachten Steak frites (21 Euro), Entrecôte, hausgemachte Pommes und Sauce Bernaise, sowie eine ebenso empfehlenswerte gratinierte Zwiebelsuppe (5,50 Euro). In Letzterer schwimmt köstliches dickrindiges Schwarzbrot, das zweimal die Woche frisch aus Hannover geliefert wird. Dass sich einige Burgervariationen auf der Karte verirrt haben, verwundert zwar, ist aber nicht ganz untypisch für französische Bistrots, zumal der Hausburger (10,50 Euro) aus frisch gehacktem Rindfleisch fast blutig gegrillt auf dem Teller landet. Wenig authentisch dagegen ist die Wahl von San Pellegrino (Flasche 6 Euro) als Tafelwasser und die zahlreichen deutschen und italienischen Posten auf der Weinkarte. Das würde sich in Frankreich von selbst verbieten und wäre auch hier nicht notwendig, da mit dem 2005 Chateau de Lussan aus dem Medoc (32 Euro) ein schnell zugänglicher Essensbegleiter angeboten wird, der hervorragend zu dunklem Fleisch passt.
Das unentschlossene Konzept setzt sich in dem Barbereich fort, der zwar sehr einladend wirkt mit seinen dunklen Ledersofas und -sesseln, aber es stellt sich doch die Frage, ob man wirklich „zum Franzosen“ geht, wenn man eigentlich Cocktails trinken will? Der Wille, Qualität und Niveau zu bieten, ist deutlich zu spüren, auch wenn das Mischkonzept noch nicht ganz stimmig ist. Aber Manches braucht eben seine Zeit. Gastro-evolutionär betrachtet übt der Helmholtzplatz demnach gerade den aufrechten Gang.   

Raumerstr. 15, Prenzlauer Berg, U Eberswalder Straße, Tel. 83 10 01 73, Di-So 12-2 Uhr, www.visavis-berlin.de


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