Es liegt im Trend, sich ein ökologisches Bewusstsein zu leisten. Man isst bio, fährt Hybrid, wählt grün und wohnt in Prenzlauer Berg. Kein Wunder, dass auch Musik-Festivals diese Thematik aufgreifen. Nun darf man aber bezweifeln, ob eine Veranstaltung, bei der Zehntausende zusammenkommen und zu deren Unterhaltung Wagenladungen mit stromfressendem Equipment herbeigeschafft werden, jemals ökologisch korrekt organisiert werden kann. Also geben sich mittlerweile manche Veranstalter große Mühe, ihrem Publikum wenigstens ein ruhiges Gewissen zu verschaffen, das wohl ein besseres Ruhekissen ist als eine schnöde Isomatte.
Das Greenville Festival in Paaren/Glien, wo sonst vor allem Landwirtschaftsschauen stattfinden, trägt das Öko-Versprechen sogar im Namen. Die tatsächlichen Bemühungen um Nachhaltigkeit, wie sie auf der Website dargestellt werden, sind dann aber übersichtlich: Man bittet die Besucher, ihren Müll anständig zu entsorgen und will „mit regionalen Partnern zusammenarbeiten und auf diesem Weg die nachhaltige Wertschöpfung rund um Paaren im Glien unterstützen“. Außerdem sollen Info-Stände „ökologisches Bewusstsein stärken“. Interessant wäre aber: Wo kommt der Strom her? Wie wird das Duschwasser erwärmt? Wird Müll getrennt? Und nur Tofu-Bratwurst gegrillt? Immerhin wurde ein Shuttle-Service vom Bahnhof Brieselang eingerichtet, der alle, die um ihren ökologischen Fußabdruck besorgt sind, zum Festival fährt.
Auch die Musikauswahl muss sich kaum Kritik gefallen lassen. Von den Punk-Opas Iggy & The Stooges über die versponnenen Flaming Lips bis zu den Krawallbrüdern von Deichkind ist für jeden etwas dabei. Ob Scooter und Haudegen für ein gelungenes Wochenende nötig sind, darüber kann man streiten. Aber dafür gibt es ja auch drei Bühnen, um nur das hören zu müssen, was man hören will.
Unbedingt anhören muss man sich natürlich Kettcar, die nicht nur eine klasse Live-Band sind, sondern auch schon vor Jahren den passenden Song zum Thema geschrieben haben. In dem heißt es: „Das schlechte Gewissen/ Der sterbende Schwan/ Es ist alles erledigt/ Nach dem, was wir sahen/ Als ob wir anders wären.“

Festival: 27.-29.7., Paaren/Glien, 3 Tage 85 Euro, Tagesticket 45 Euro, www.greenvillefestival.com