Heiße Zeiten: Wechseljahre
Musical
MUSIK COMEDY - Am Flughafen stranden wird offensichtlich zum Bühnenhit dieses Sommers. Auch die vier Ladies aus "Heiße Zeiten" sind in einem außer Betrieb stehenden Terminal angelangt. Sie haben - altersbedingt, weil die 45-Jahre-Grenze überschritten - zusätzlich noch mit Hitzewallungen, Panikattacken und unkontrollierbaren emotionalen Ausbrüchen zu kämpfen. Daraus machen sie einen wilden Ritt durch die Wechseljahre. Mal eine Show mit den etwas anderen Hormonen. Eintritt 21-31,50 Euro.
zitty-Kritik 14/2012
Ein Singspiel über die Wechseljahre? Bei den Wühlmäusen, wo der Publikumsaltersdurchschnitt gerne mal bei 55 plus liegt? Da kommt die Befürchtung auf, man könnte es mit angestaubtem Entertainment zu tun zu haben. Doch die wird von wunderbaren Frauen mit Verve hinweggefegt. Im Wartesaal eines Flughafens hoffen vier sehr unterschiedliche Damen auf den baldigen Start ihres Fluges nach New York. Da ist die Hausfrau (das Energiebündel Angelika Mann), die zum ersten Mal fliegt und ihren Gatten Fritz zurücklässt. Da ist die Karrierefrau (knuffig: Dagmar Hurtak-Beckmann), die außer One Night Stands in punkto Männer nicht viel hinbekommt. Da ist die Vornehme (großartig im Wechsel zwischen Steifheit und Esprit: Inez Timmer), die gegen den übermächtigen Vater anrennt. Alle Drei haben die 50 bereits hinter sich, während „Die Junge“ (adrett: Susanne Eisenkolb) erst Anfang 40 ist und unbedingt ein Kind haben will.
Wie die vier Frauen sich beharken, das ist hübsch anzusehen, das Salz in der Musicalsuppe ist allerdings die Musik. Da tut uns Autor Tilmann von Blomberg den Gefallen, musikalisch auf Evergreens der letzten 50 Jahre zu setzen, versehen mit pointierten neuen Texten aus der Feder von Bärbel Arenz. Da wird aus „Stand By Your Man“ ein Lied über Inkontinenz, aus „What A Feeling“ eines über Depressionen.
Umgesetzt werden die Songs von einer weiblichen Begleitband und durch die vier Darstellerinnen, die alle auch stimmlich überzeugen. Der Berliner Zuschauer kommt in den Genuss, ein gut eingespieltes Ensemble zu erleben, die Premiere war im April 2010 in Essen. Nichts wahnsinnig Innovatives, aber kurzweilig und schmissig.
Bis 19.8., Di-Sa 20 Uhr, Wühlmäuse am Theo, Regie: Katja Wolff, mit Angelika Mann, Dagmar Hurtak-Beckmann, Inez Timmer, Susanne Eisenkolb, ab 21 Euro
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