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Knapp 10 Jahre nach seinem Film HERR WICHMANN VON DER CDU bringt uns Andreas Dresen wieder auf Stand, aufmerksam, mit untrüglichem Gespür für abgründige Situationen und großem Respekt für seinen unerschütterlichen Protagonisten. Ein neuer tragikomischer Dokumentarfilm über die Mühen der Ebene, über das, was Politik und Demokratie in der rauen Praxis bedeuten, im Plenum, den Landtagsfluren, dem Lebensalltag im Wahlkreis.

zitty-Kritik

Genau zehn Jahre ist es her, da porträtierte der gefeierte Filmemacher Andreas Dresen („Halt auf freier Strecke“) in „Herr Wichmann von der CDU“ den damals 25-jährigen Henryk Wichmann, der in seinem Wahlkreis in der Uckermark um die Gunst der Wähler kämpfte und dabei stets ein wenig deplatziert wirkte.

Nun hat es Herr Wichmann geschafft: Er sitzt als Abgeordneter der oppositionellen CDU im Potsdamer Landtag – in der dritten Reihe. Und der Politiker legt sich mächtig ins Zeug, sucht den Kontakt zum Bürger und kümmert sich auch um kleinste Konflikte. Neben der Strukturreform bei der Polizei konzentriert sich der Vater von drei Töchtern auch um einen geplanten Radweg, der absurderweise von Ökoverbänden abgelehnt wird, er sieht sich vor Ort merkwürdige Komplikationen im Schienennetz an und kämpft für Schreiadler oder Bartmeisen. Und freut sich über jeden Redebeitrag im Parlament.

Legte Dresen im ersten Film noch seinen ­ironischen Schwerpunkt auf einen Mann auf verlorenem Posten, so verschiebt sich hier der Blickwinkel. Denn Wichmann macht ­seinen Job so überzeugend, dass er für ­Ironie nur noch wenig taugt. Stattdessen zeigt der Film ohne jeglichen Kommentar aus dem Off, welch Absurditäten und Köpenickiaden die parlamentarische Demokratie im 21. Jahrhundert so mit sich bringt. Kurzweilig ist das allemal, Henryk Wichmann kann den Film gut zu Marketingzwecken nutzen. Und wir dazu, mehr über unser politisches System zu lernen. Martin Schwarz