Hugo Cabret
Inhaltsangabe
Der 12-jährige Waisenjunge Hugo (Asa Butterfield) lebt alleine in den Gemäuern eines gigantischen Pariser Bahnhofs. Seit sein Vater (Jude Law), ein talentierter Uhrenmacher, bei einem Brand ums Leben gekommen ist, versteckt sich Hugo auf dem Dachboden hinter einer großen Bahnhofsuhr. Statt zur Schule zu gehen, muss er die Arbeit seines Onkels übernehmen: Täglich macht er einen Kontrollweg durch die großen Hallen, um alle Bahnhofsuhren in Schuss zu halten und aufzuziehen. Dabei muss er sich vor dem strengen Stationsvorsteher (Sacha Baron Cohen) in Acht nehmen, der keine Chance auslässt, seinem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Hugos einzige Erinnerungsstücke an seinen Vater sind ein rätselhaftes Notizbuch und ein kaputter Roboter - eine Art Aufziehfigur - die Hugos Vater vor seinem Tod in seiner Uhrmacherwerkstatt zu reparieren versuchte. So lebt Hugo zwischen tickenden Uhren und mysteriösen Notizen, bis er eines Tages die neugierige Isabelle (Chloe Moretz) trifft, die sein Leben auf sensationelle Weise verändern wird: denn sie besitzt einen Schlüssel, der den Roboter zum Leben erwecken kann. Mit Hilfe von Isabelle und ihrem mysteriösen Onkel (Ben Kingsely), kommt Hugo einem außergewöhnlichen Geheimnis auf die Spur, das sein und das Leben aller Beteiligten auf magische Weise verändern wird!
zitty-Kritik 04/2012
Bei „Die fabelhafte Welt der Amélie“ war es schon so: Man kommt aus dem Kino, ist restlos begeistert und blickt in die Augen von mürrisch dreinblickenden Mitmenschen, die das alles doof fanden. Und jetzt wieder, bei diesem Geniestreich von Martin Scorsese. Die mögliche Erklärung: Beide Filme sind absolut ironie-, zynismus- und sarkasmusfrei. Hier wird die Realität solange überhöht bis nur noch eine Traumwelt übrigbleibt, die nichts anderes will als uns aufs Angenehmste zu betören. Und das in diesen Zeiten, wo noch jeder Halbsatz einen Unterton haben muss.
Tauchen wir also ein in das Märchen-Paris (noch eine Parallele zu „Amélie“) der frühen 30er-Jahre. In einem riesigen Bahnhofsgebäude lebt Hugo Cabret (Asa Butterfield aus „Der Junge mit dem gestreiften Pyjama“), zwölf Jahre alt, Waise. Seitdem sein geliebter Vater (Jude Law tritt in Rückblenden auf), ein exzellenter Bastler, gestorben ist, ist Hugo unter der Ägide seines nicht eben freundlichen Onkels Claude (Ray Winstone) und sorgt dafür, dass all die riesigen Bahnhofsuhren auf die Minute genau richtig gehen. Heimlich hat sich Hugo in den vielen geheimen Gängen und Räumen sein Refugium eingerichtet; sein Essen klaut er sich bei den vielen Lädchen und Ständen im Bahnhof, immer auf der Hut vor dem eitlen Stationsvorsteher (lustig: Sacha Baron Cohen) und seinem riesigen Hund. Hugos eigentlicher Widersacher ist aber ein alter, schlecht gelaunter Mann namens Georges Méliès (souverän: Ben Kingsley). Aus dessen Spielzeugladen stibitzt Hugo regelmäßig Metallfedern und Schrauben, um jene merkwürdige Eisengestalt zu reparieren, die ihm sein Vater hinterlassen hat. Hugo lernt Georges’ Stieftochter Isabelle (Chloë Grace Moretz aus „Kick-Ass“) kennen, und gemeinsam kommen sie dem Geheimnis dieser Figur auf den Grund. Und das hat wiederum ganz viel mit George zu tun.
Wenn die Kamera zu Beginn scheinbar schwerelos durch die mit unzähligen Rädchen bestückten Uhrwerksäle fliegt, dann versteht man: Das also ist mit 3D gemeint gewesen. Scorsese eröffnet mit dieser Technologie dem Auge ganz neue Sichtweisen und setzt dabei überhaupt nicht auf Effekte, sondern unterstützt die märchenhafte Atmosphäre dieses wunderbaren Films.
Zudem weiß das Drehbuch von John Logan nach der Buchvorlage von Brian Selznick herrliche Nebenfiguren, gespielt von Stars wie Christopher Lee oder Emily Mortimer, in die Handlung einzuklinken. Und dann entpuppt sich „Hugo Cabret“ (der im Original schlicht „Hugo“ heißt) zu allerguter Letzt auch noch als die größte filmische Verbeugung vor dem Medium Kino seit „Cinema Paradiso“. Warum? Das soll hier nicht verraten werden. Auf jeden Fall ist jede einzelne der elf Oscarnominierungen gerechtfertigt. Amen. Martin Schwarz
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