Im Winter dein Herz
Motto: zitty-Leserlounge
Inhalt:
Wenn der erste Schnee fällt, ziehen sich die Menschen zurück in ihre Häuser und halten Winterschlaf wie die Tiere. Robert, Annina und Kudowski, drei in dem kleinen Ort Waldesruh Gestrandete, bleiben wach und machen sich auf den Weg.
In einem schwarzen Suzuki Samurai fahren sie durch ein weißes, vom Winter erfasstes Land. Es ist das Land, das man kennt, und doch ist es anders. Das Schweigen der Häuser, die verschlossenen Fensterläden erzählen von tiefen Träumen, und kaum ein Mensch zeigt sich auf den Straßen. Die drei Reisenden kennen sich nicht gut. Der Zufall hat sie zusammengeführt – jeder mit seiner Geschichte und seinen Geheimnissen –, und ihre Fahrt durch den Schnee in Richtung Süden wird zu einer Reise dorthin, wo nicht nur der Winter zu Ende geht.
Benjamin Lebert hat einen poetischen Roman über Freundschaft und die Wege, der Kälte zu trotzen, geschrieben.
Der Autor:
Benjamin Lebert lebt in Hamburg. Er hat mit zwölf Jahren angefangen zu schreiben. 1999 erschien sein erster Roman „Crazy“, der in 33 Sprachen übersetzt und von Hans-Christian Schmid fürs Kino verfilmt wurde. Sein zweiter Roman „Der Vogel ist ein Rabe“ erschien 2003, danach 2005 „Kannst du“ und zuletzt „Flug der Pelikane“ 2007.
Winter, Schlaf!
In Benjamin Leberts fünftem Roman unternimmt ein Psychiatriepatient eine Reise
Es ist eine vertraute und gleichzeitig fremde Welt, die Benjamin Lebert in seinem fünften Roman entwirft. Die Hauptfigur Robert lebt wie sein Schöpfer in Hamburg: Ein stiller, braver, junger Mann, der sympathische Gedankengänge hat und schön beobachten kann. Von einem Tag auf den anderen leidet er unter einer bedrohlichen Essstörung. Er kriegt gar nichts mehr runter, keinen Bissen. Und so landet Robert in der Psychiatrie, denn außer einer ominösen „Rüschenzunge“, die eigentlich keine Probleme machen sollte, können die Ärzte bei ihm nichts feststellen.
Als eigentlich die Zeit für den Winterschlaf gekommen wäre, begibt sich Robert mit seinem Mitpatienten Kudowski und mit Anninna, die durch ihren Job im Tankstellen-Bistro in der Nähe der Psychiatrie zum Mittelpunkt seines sozialen Lebens geworden ist, auf die Reise nach München. Er muss seinem schwerkranken Vater etwas sagen.
Sie fahren mit ihrem Auto durch ein Deutschland, das so leergefegt, friedlich, kalt und zugefroren, ja geradezu arktisch ist, dass einem auch beim Lesen kalt wird – und zwischendurch wieder warm, weil diese einfache, bei aller Surrealität gradlinige Geschichte ein paar sehr gute Momente enthält. Und weil sie auf eine Auflösung zusteuert, die man wirklich gar nicht glauben kann. Stephanie Grimm
Benjamin Lebert: Im Winter dein Herz, Hoffmann und Campe 2012, 160 Seiten, 18.99 Euro
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