„Da kommt einiges zusammen“: Julia Dietze über "Dating Lanzelot"
Der in Berlin lebende Schweizer Oliver Rihs hat nach dem Anarchowerk „Schwarze Schafe“ einen neuen Film gedreht. In „Dating Lanzelot“ geht es um einen schüchternen jungen Berliner, der von seinem Mitbewohner einige Internet-Dates mit sehr unterschiedlichen Damen aufgedrückt bekommt. Eine flotte Komödie, in der diverse Frauenbilder aufs Korn genommen werden: Da gibt es das sexuell verklemmte Schneewittchen, die frustrierte Single-Mutter, die perfekte Frau, die Lanzelot komplett einschüchtert, oder eine Jura-Studentin, die sich aus Langeweile zu Sex-Dates verabredet. Natürlich sind diese Rollen pures Klischee, aber Komödien leben nun mal von der Überzeichnung. Oder gibt es solche Frauentypen wirklich? Und: Sind derartige Stereotypen auch bei Berliner Männern zu finden?
Zur Beantwortung dieser Frage hat sich zitty professionelle Hilfe geholt: Julia Dietze. Die 31-jährige Schauspielerin spielt in „Dating Lanzelot“ die feierfreudige Julie – eine durchgeknallte Bar25-Gängerin, die ihr Date Lanzelot sooo süß findet, weil er sooo normal ist. Ihren Hang zu schrägen Figuren hat Dietze schon in „Iron Sky“ – in dem erfolgreichen Science-Fiction-Trash spielt sie die Nazitussi Renate Richter – oder in „1 1/2 Ritter – Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde“ als eben jene Herzelinde bewiesen. Die skurrile Rollenwahl fällt auf.
Julia Dietze: „Ich mag extreme Persönlichkeiten, die ein wenig durchgeknallt sind. In ,Dating Lanzelot‘ fand ich Julie sympathisch und am realistischsten von allen Frauenrollen im Film. Die Prenzlberg-Mutti, die auf der Toilette vögeln will – das hätte ich nicht spielen können, das wäre mir zu krass. Dabei habe ich es gar nicht so mit dem Feiern. Meine prägnanteste Partyerfahrung war eine versiffte Hippie-WG in München.“
Der Filmheld Lanzelot wünscht sich eine Partnerin, traut sich aber nicht, Frauen einfach so anzusprechen. Deshalb besorgt ihm sein Kumpel Dates über ein Internetportal. Eine adäquate Form der Kontaktaufnahme?
„Auf Dating-Portalen könnte ich keinen Partner suchen. Das ist mir zu riskant. Ich will die Körpersprache studieren, den Menschen sehen. Ich empfinde diese Sex-Dating-Seiten als traurig und leer. Diese Schnelllebigkeit würde bei mir immer einen faulen Nachgeschmack hinterlassen. Die Menschen müssen einfach miteinander sprechen. Ich habe mich immer dann verliebt, wenn ich am wenigstens damit gerechnet habe, etwa wenn ich völlig übernächtigt und ungestylt war. Aber ich war nie mit jemandem aus der Filmbranche zusammen. Ich brauche einen Partner, der einem anderen Beruf nachgeht, die Filmindustrie kann nämlich sehr oberflächlich sein.“
Auf welche Art Kollegen steht also die Frau, die vom Magazin „GQ“ zur Nummer 3 der „Top 100 Frauen“ gewählt wurde? Julia Dietze hat mit so unterschiedlichen Männertypen wie Til Schweiger, Götz Otto oder Tom Schilling gedreht. Gibt es allgemeine Stereotypen bei männlichen Schauspielern?
„Klar gibt es allgemeine Eigenschaften, aber wenn ich anfange, Geschichten zu erzählen, bringen die mich um. Am attraktivsten finde ich Männer, die einfach nur ihr Ding machen, ohne dabei auf die Wirkung, die sie auf Andere haben, abzuzielen. Schauspieler wollen generell allen gefallen, geliebt werden. Eine feminine Eigenschaft, die ich nicht sehr männlich und anziehend finde. Ich brauche jemanden, der sich von mir unterscheidet, Der typische 9-to-5-Büromensch ist allerdings auch nicht mein Fall. Bislang war ich nur mit Musikern zusammen.“
Musiker also. Aber sind die Typologien der Frauen in „Dating Lanzelot“ auch bei Männern zu finden? Julia Dietze wird gebeten, den Spieß umzudrehen und entsprechende Rollen über Männer zu formulieren. Der Wunsch bringt sie zum Lachen.
„Oh, da kommt einiges zusammen. Eigentlich missfällt mir so ein Schubladendenken, aber weil es amüsant ist, zähle ich mal ein paar auf: Da sind jene Geschäftsleute im Flieger, die vermeintlich die ,Süddeutsche Zeitung‘ lesen, aber dazwischen den ,Playboy‘ verstecken, weil sie nicht die Eier haben, das offen zuzugeben.
Besonders in Berlin fallen mir unter anderem die Atzen auf, die in Jogging-Hosen herumlaufen und Frauen gegenüber meinen, Ansagen machen zu müssen. Dann gibt es da noch die komischen Hipster-Typen in Karottenjeans mit dieser Scheitel-Hitler-Frisur. Oder die Ökos. Oder die, die immer irgendwelche Projekte vor sich herschieben. Hätte ich noch eine Nacht Zeit, würden mir sicher noch viel mehr einfallen.“
Julia Dietze wohnt seit sechs Jahren in Berlin. Sie mag die Stadt, ist nach eigenen Angaben mit vielen geborenen Berlinern befreundet. Für sie ist „Dating Lanzelot“ ein Film über Berlin.
„Beim Dreh ist uns zu jedem Frauentypus ein Bezirk eingefallen. Das ist die Mitte-Schnitte und so weiter. Mein Vorschlag war daher auch, den Film „Berlin Dating“ zu nennen, in Anlehnung an „Berlin Calling“.
Und wo bleibt bei all dem die Liebe? Geht die bei so vielen Stolpersteinen, Vorurteilen und Kategorisierungen nicht unter? Letztlich geht es auch in „Dating Lanzelot“ um die eine große Liebe, das romantische Glück. Gibt es das wirklich?
„Unbedingt. Wenn man Liebe erlebt hat, gibt es nichts Erfüllenderes. Ich habe da eine idealistische Vorstellung, auch wenn es nicht leicht ist, die große Liebe zu finden.“
Sie greift die Notizzettel des Interviewers und entdeckt ein Zitat des Schriftstellers Eduard von Keyserling: „Liebe ist alogisch, und wir kämpfen gegen sie an, aber sie ist stärker als unsere Logik, und das ist ihr Zauber.“
„Schön. Das trifft es!”
Kommentieren
Kommentare
Es sind keine Einträge vorhanden