Interview: Katharine Mehrling
Frau Mehrling, Sie kommen gerade von einer Probe mit einem Zauberkünstler. Werden Sie im Wintergarten zur Artistin?
Ich werde nicht den Pianisten verschwinden lassen oder durch den Zuschauerraum fliegen. Das wird nur ein kleines, charmantes Schmankerl. Ich hatte mir überlegt, etwas Akrobatisches einzustudieren. Aber ich fand das schlussendlich anmaßend gegenüber den Artisten, die jahrelang an einem einzigen Act arbeiten. Da habe ich zuviel Respekt.
Sie haben die Piaf gespielt, die Sally Bowles in Cabaret und sind dafür von Kritik und Publikum hymnisch gefeiert worden. Trotzdem sind Sie der ewige Geheimtipp geblieben. Was fehlt zum richtigen Star?
Ich habe keine Fernsehpräsenz. Vielleicht bin ich auch zu schwer einzuordnen. Meine Musik kann man nicht jeden Tag im Radio spielen. Aber das ist ja auch eine Entscheidung. Ich finde es sehr angenehm und praktisch, dass es ist, wie es ist. So kann ich mir den Luxus leisten, immer wieder neu zu suchen. Ich bin noch nicht angekommen und das ist gut. Auf der Bühne ist Glamour manchmal schön. Privat brauche ich das nicht.
Als Sie 14 waren, schickte Ihr Vater ein Demo an den Schlagerproduzenten Ralph Siegel, was zu einem fünfjährigen Ausflug ins Trällergewerbe einschließlich Vorentscheid zum Eurovision-Songcontest führte. In Ihren offiziellen Biografien verschweigen Sie diese Zeit. Warum?
Schlager war musikalisch nicht meine Welt. Ich wollte nicht nur eine Interpretin sein. Ich wollte meine Entscheidungen selber treffen und nicht in ein Schema passen müssen. Im Theater habe ich für mich viel bedeutsamere Sachen gemacht als in dieser Zeit, und deshalb muss man nicht immer darüber reden.
Mittlerweile schreiben Sie eigene Texte und Musik. Entwickeln Sie sich zur Liedermacherin?
Das wäre schön. Ich habe Phasen, in denen ich sehr kreativ bin und andere, wo mir gar nichts einfällt. Wenn ich ein Projekt wie die Wintergarten-Show habe, tauche ich voll und ganz ein. Ich finde es schön, mich mit eigenen Dingen zu etablieren und werde im Wintergarten auch selbst geschriebene Songs singen. Aber Theaterrollen müssen auch in Zukunft sein.
„Am Rande der Nacht“, 11.2.-14.4., Wintergarten. Regie: Stephan Prattes. Eintritt 24,50-54,50 Euro
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