Kriegerin
Inhaltsangabe
Marisa (Alina Levshin) ist jung, weiblich und rechtsradikal. Sie ist Teil der rechtsextremen Szene in einer ostdeutschen Kleinstadt. Auf ihrer Schulter hat sie "Skingirl" tätowiert, vorne ein Hakenkreuz. Marisa schlägt zu, wenn ihr jemand dumm kommt. Sie hasst Ausländer, Schwarze, Politiker, Juden und die Polizei. In Marisas Augen sind sie alle schuld. Sie sind schuld daran, dass ihr Freund im Knast sitzt und alles um sie herum den Bach runter geht: Ihr Leben, ihre Stadt, das Land und die ganze Welt. In diesem Sommer wird sich alles ändern. Marisa bekommt Konkurrenz in der Clique. Das neue Mädchen Svenja (Jella Haase) geht ihr gehörig auf die Nerven. Dann gerät Marisa mit zwei jungen Asylbewerbern aneinander, die hier in der Provinz gestrandet sind. Der Streit eskaliert, Marisa ist nicht zu bremsen. Damit löst sie eine Kette von Ereignissen aus, die alles auf den Kopf stellt. Während Svenja immer tiefer in die rechte Szene rutscht, gerät Marisas Weltbild ins Wanken. Sie beginnt sich zu ändern, doch der Weg raus wird härter als sie ahnt.
zitty-Kritik 02/2012
Die 20-jährige Marisa (Alina Levshin) lebt in der ostdeutschen Provinz. Sie ist rechtsradikal, auf ihrer Brust prangt ein Hakenkreuz, für sie und ihre Clique ein Symbol unbegrenzter Vaterlandsliebe. Ihre Freizeit verbringen die jungen Neonazis damit, Ausländer in Zügen anzupöbeln, mit Saufexzessen, dem Proben von militärischen Aufmärschen – und damit, allen anderen die Schuld an den eigenen Lebensumständen zu geben. Dann überschlagen sich die Ereignisse: Die 15-jährige Svenja (Jella Haase) drängt sich in die Clique, argwöhnisch von Marisa beäugt; Marisas Freund Sandro (Gerdy Zint) kehrt nach einem Knastaufenthalt zurück, und sie selbst trifft auf den afghanischen Flüchtling Rasul, der unbedingt weiter nach Schweden will.
Autor und Regisseur David Wnendt kreiert mit seinem Diplomfilm eine Milieustudie, die die knallharte Realität der Neonazi-Szene darstellt, geprägt von unglaublicher Aggressivität und Hassparolen. Er deckt die möglichen Gründe dafür auf, die oft in der sozialen Verwahrlosung der Jugendlichen liegen, aber auch im Erbe dieses Gedankenguts von alten Nazis. Die aufwändige Recherche Wnendts kommt dem Film zugute, die Charaktere werden feinsinnig entwickelt, während die Handlung komplex, aber doch zusammenhängend erscheint. „Kriegerin“ soll aufklären, aber nicht vordergründig pädagogisch sein. Besonders die Schauspieler glänzen mit einem intensiven Spiel, zu Recht gewann Alina Levshin diverse Preise. Sie meistert die psychologisch vielschichtige Rolle der Marisa ausgesprochen überzeugend. Allerdings stellt der Regisseur den Versuch an, seiner Hauptfigur eine Wandlung aufzwingen. Im Handlungsverlauf soll sich Marisas Verhalten und Weltsicht ändern, was letztlich nicht vollkommen überzeugen kann. Katharina Nickel
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