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- 08.02.2010
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Berlinale 2010: Obi-Wan Kenobi ist ein Biker
Vor einem Jahr um diese Zeit war der ehemalige „Trainspotter“ und Star der neuen „Star Wars“-Trilogie noch wie vom Erdboden verschluckt. Zwei Jahre hatte Ewan McGregor sich fast völlig aus dem Filmbusiness zurückgezogen und fuhr lieber mit dem Motorrad in der Weltgeschichte umher – zum Beispiel von Schottland nach Südafrika. „Das waren satte 24.000 Kilometer, und es dauerte über drei Monate. Ich genieße diese Motorrad-Reisen mit jeder Pore meines Körpers. Dieses Gefühl von Freiheit und Abenteuer ist mittlerweile ein echtes Lebenselixier für mich geworden. Aber dann hat es mich wieder gepackt – und ich wollte unbedingt wieder ein paar Filme machen“, erklärt der britische Kinostar.
Der Plan ging auf. Nachdem er sich im letzten Jahr an der Seite von Tom Hanks mit „Illuminati“ wieder zurückgemeldet hat, kommen demnächst gleich drei Filme mit dem 38-Jährigen ins Kino. Neben der launigen Kriegs-Satire „Männer, die auf Ziegen starren“ (ab 4. März) mit George Clooney und der schwulen Gaunerkomödie „I Love You, Phillip Morris“ (ab 29. April), in der er sich in Jim Carrey verliebt, spielt er noch die Hauptrolle im neuen Thriller von Roman Polanski, „Der Ghostwriter“ (ab 18. Februar). „Ich brannte förmlich darauf, mit Roman Polanski zu arbeiten, denn ich halte ihn für einen der ganz großen Regisseure. Zur Vorbereitung habe ich mir die meisten seiner Filme noch einmal angesehen. Am stärksten hat mich seine Detailversessenheit beeindruckt. Sie gibt seinen Filmen etwas unheimlich Reales“, meint McGregor, nimmt seine Hornbrille ab und kaut gedankenverloren an einem der Bügel. „Wie schön, dass dies ein Gespräch unter vier Augen ist und ich in keine Kamera schauen muss. Da brauche ich meine Kurzsichtigkeit nicht mit Kontaktlinsen zu kaschieren.“ Das breite Grinsen, das folgt, hätten wir allerdings gerne auf Film gebannt.
Seine Fähigkeit, eher unattraktive Typen vor der Kamera ziemlich sexy aussehen zu lassen, hat ihn spätestens seit seinem fulminanten Auftritt als Heroin-Junkie Mark Renton in „Trainspotting“ (1996) zu einem gefragten Schauspieler dies- und jenseits des Atlantiks gemacht. Mit der Zeit hat McGregor gelernt, subtiler zu werden und sich mehr zurückzunehmen – was seinen Figuren nur zugute kommt. Hilft ihm die Schauspielerei auch, sich selbst besser verstehen zu können? Er streicht sich nachdenklich über sein rostrotes Strubbel-Haar: „Nein, nicht wirklich. Ich spiele oft Typen, mit denen ich im richtigen Leben keine Stunde im selben Raum verbringen wollte. Was ich so faszinierend finde, ist, dass ich dabei immer wieder in die Haut fremder Menschen schlüpfen kann. Das genieße ich, je älter ich werde, immer mehr.“
Ende der 90er Jahre holte George Lucas ihn für seine neuen „Star Wars“-Episoden als Obi-Wan Kenobi, was McGregor nicht nur eine von ihm heißgeliebte Action-Figur bescherte, sondern auch des Problems enthob, „mir in diesem Leben jemals wieder finanzielle Sorgen machen zu müssen“. Sein Flirten mit dem Mainstream durchbricht er seitdem immer wieder mit anspruchsvolleren Filmen. Baz Luhrmanns „Moulin Rouge“ (2001), Tim Burtons „Big Fish“ (2003) und Woody Allens „Cassandras Traum“ (2007) etwa, oder – der mutigste von allen – der sexuell aufgeladene „Young Adam“ (2003). „Die meisten Leute vermuten, dass ,Trainspotting‘ mein Lieblingsfilm ist, was aber gar nicht stimmt. Wenn ich an meine Filme denke, dann eher an die Dreharbeiten als an das Endprodukt. Und da finde ich zum Beispiel ,Young Adam‘, den ich mit Tilda Swinton gemacht habe, ziemlich gut. Und ,Die Bettlektüre‘ (1996) unter Peter Greenaway.“ Und um ein für alle Mal Gerüchte zu entkräften, er würde in einer „Trainspotting“-Fortsetzung wieder mit von der Partie sein, meint McGregor scharf: „Definitiv nicht! Der Film – und das Buch – waren einzigartig. Das sollte man nicht mit einem Nachklapp verwässern!“
Vor einigen Monaten ist Ewan McGregor mit seiner Familie von London nach Los Angeles gezogen. Schweren Herzens, wie er zugibt, denn als echter Schotte wird er sich wohl nie richtig an den Lala-Land-Lifestyle gewöhnen. „Muss ich ja auch nicht“, meint er lachend. „Abgesehen davon soll es hier ein paar sehr interessante Motorrad-Gangs geben. Vielleicht sollte ich mich mal bei den Hells Angels bewerben.“
Die Karriere läuft. Der nächste Kult-Regisseur – nämlich Steven Soderbergh – hat sich ihn schon für seinen Thriller „Knockout“ (2011) abgegriffen. Natürlich war auch McGregor nicht immer nur auf der Sonnenseite: „Ich habe mein Lehrgeld bezahlt. Das haben wir alle. Fragen Sie Jude Law oder Jonny Lee Miller. Wir begleiten uns nun fast schon ein halbes Leben lang. Und wir sind nicht nur Freunde, sondern auch geprügelte Hunde. Aber ich will nicht klagen. Wir stehen immer noch, sind nicht mal angezählt.“ Und grinsend fährt er fort: „Natürlich hatte ich auch viel Glück. Und die Kraft, meinen starken Hang zum Alkohol zu zügeln. Früher habe ich sehr viel Zeit mit Freunden in Pubs verbracht. Da lief die Sache immer öfter aus dem Ruder. Also habe ich eines Tages einen fetten Schlussstrich gezogen und mit dem Trinken aufgehört. Irgendwann muss man eben Verantwortung übernehmen. Mir scheint, ich bin endlich erwachsen geworden.“
Weltpremiere von „The Ghost Writer“: 12.2., 19.15 Uhr, Berlinale Palast, Kinostart ist dann am 18.2.
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