REZENSION: FINANZCRASHSTÜCK : Trust

Foto: Drama
Tom Mustroph
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Mit Trust, also Vertrauen, wie der Titel verspricht, hat Falk Richters neue Produktion wenig zu tun. Zentral ist hingegen das Verschwinden der gegenseitigen Hoffnung auf die glückliche Gestaltung von Beziehungen in der Geschäftswelt und auf dem Feld des privaten Austausches von Emotionen und Körperflüssigkeiten. Richter fasst diesen doppelten Vertrauensverlust in schön funkelnde Sprachspiele. Schauspieler Stefan Stern erweist sich als Meister des komplexen Finanzmarkt-Diskurses. Judith Rosmair und Kay Bartholomäus Schulze sind souveräne Matadoren im Liebesenttäuschungskampf. Und Choreografin Anouk van Dijk hält ihre erstklassigen Tänzer zu wunderschönen Fallübungen an, die das Wegbrechen der individuellen wie der gesellschaftlichen Haltesysteme eindrucksvoll illustrieren. Wenn ihre Tänzer die vor Konsumwut schier bersten wollende Rosmair hoch durch die Luft wirbeln, wird außerdem noch deutlich, dass Tanz und Theater sich zu einem intelligenten Gesamtkunstwerk verbinden können. Was Sasha Waltz und Thomas Ostermeier nie geschafft haben, gelingt zehn Jahre nach dem Relaunch der Schaubühne Richter und van Dijk. Das einzige Manko: Der einst kapitalismuskritisch gestartete Falk Richter hat sich beim Studium seines Lieblingsobjektes diesem so sehr anverwandelt, dass seine Produkte nun als Pausenvergnügungen bei Aufsichtsratssitzungen tauglich sind. Schade, dass bei dem inzwischen 40-Jährigen die erlangte künstlerische Reife in pure Gefälligkeit umschlägt.  Tom Mustroph

20.-22., 24. + 25.11., 20 Uhr, Schaubühne. Regie und Choreografie: Falk
Richter und Anouk van Dijk; mit Judith Rosmair, Lea Draeger, Stefan Stern.
Eintritt 6-38 Euro

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