REZENSION: BOULEVARD: Herr Kolpert

Foto: Omorp
Axel Schalk
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Sarah und Ralf haben Gäste, Arbeitskollegin Edith und ihren Mann Bastian. Der ereignisreiche Abend läuft aus dem Ruder. Eine Leiche und eine Truhe sind auch anwesend, ganz wie in Hitchcocks „Cocktail für eine Leiche“. Das eskalierende Spiel der Paare, die Vorbilder Edward Albee und Yasmina Reza sind deutlich, hat aber wenig ästhetische Kraft und Aussage. Ist es der Überdruck verdrängter Aggression, der die vier aneinander geraten lässt? Ist es Lebensüberdruss, der zum kreuzweisen Massaker führt? Das Stück und eineinhalb Stunden Aufführung geben darauf keine Antwort. Die Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft, die ihre ethischen Werte preisgegeben hat, ist berechtigt, doch hier verschenkt. Immerhin konturiert das überzeugende Ensemble deutlich die einzelnen Charaktere, den Spießer, die frustrierte Frau, das lebenshungrige Paar. Albees „Virginia Woolf“ erzählte noch vom Gefängnis der Neurosen, Gieselmann bleibt nur ein Epigone. Ärgerlich.
 Axel Schalk

27.+28.11., 20.30 Uhr, Acud. Regie: Reto Kamberger, mit Karin Seven, Ingo Behne, Ulf Leib, Mona Glass. Eintritt 10, erm. 6 Euro


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