Workshops: Ohren hoch, der Geräuschladen

Foto: Knut Remond/ Katharina Moos
Teresa Schomburg
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Clara ist heute nicht in den Laden gekommen. Und ist trotzdem präsent. Fröhlich trällert sie ein polnisches Lied, das sie von ihrer Mutter kennt. Clara ist kein Gespenst. Ihre Stimme kommt aus den Lautsprechern im Keller des Neuköllner Geräuschladens Ohrenhoch. Am Sampler sitzt der Ohrenhoch-Erfinder Knut Remond. Seine Hörkunst-Schützlinge Ferdinand und Louis haben gemeinsam mit den anderen Ohrenhoch-Kindern am Mini-Hörspiel „Wirbelsalat“ getüftelt, jetzt sitzen sie am letzten Feinschliff. Kurze, knackige 45 Sekunden schwirrt der polnische Gesang, gemischt mit Geschirr- und Besteckgeklapper und Sprachfetzen des Wortes „Wirbelsalat“, umher.

 Ohren hoch


Eine „Schule“ für Verständnis und Umgang mit elektroakustischer Musik, Hörspiel und Klanginstallationen nennt Remond die Arbeit mit den 6 bis 14 Jahre alten Kindern. Mit seiner Jeansjacke, dem orangefarbenem Pulli und den grauen langen Haaren sieht er allerdings alles andere als lehrerhaft aus. Hauptberuflich ist Remond Komponist und im Erdgeschoss des Ohrenhoch stellt der Zürcher nebenbei jeden Sonntag auch Klanginstallationen international bekannter Künstler vor. Auch die Neuköllner Ohrenhoch-Kinder haben bereits Lokalprominenz erreicht: Sie waren beim Kunstfestival 48 Stunden Neukölln dabei, haben für ihre Klanginstallation „Nachttropfendrache“ einen Preis des Netzwerks Junge Ohren und der Landesanstalt für Medien NRW bekommen, und der „Wirbelsalat“ soll bald im „Deutschlandradio Kultur“ zu hören sein. Ziel des Geräuscheladens ist jedoch keineswegs, dass die Tüftler eines Tages selbst mit ihren Klangkunstwerken um die Welt tingeln. „Es ist gar nicht so wichtig, ob das, was wir hier machen, Kunst ist“, sagt Remond in schweizerischem Singsang. „Entscheidend ist, dass die Kinder ihren Soundideen nachgehen und sie weiterverfolgen.“ Das akustische Experimentieren im Ohrenhoch spielt sich höchst assoziativ ab. Einer aus der Runde hat eine Idee, gemeinsam wird sie weitergesponnen. Im Fall von „Saturn“, dem Mini-Hörspiel, das die Truppe als nächstes in Angriff nimmt, stammt die Idee von Ferdinand. Der Ring des Planeten Saturn ließ ihn an ein Förderband denken. Nun überlegen die kleinen Geräuschejäger eifrig, wie sie dieses Förderband akustisch darstellen können. Clara sitzt gerade zu Hause am Klavier und nimmt Folgen von extrem hohen und tiefen Tönen auf. Und Ferdinand wird vielleicht das Aufnahmegerät noch einmal mit ins Freies Neukölln nehmen, die Kneipe seines Papas, um den Sound der Kaffeemaschine einzufangen, mit dem einst das Klängebasteln für Ferdinand begonnen hat. Anschließend wird an dem Geräuschgebilde mit Hilfe von Mischpult, Sampler und Synthesizer so lange gefeilt, bis es Gestalt annimmt.

 Ohren hoch

„Skulpturhaft“ nennt das Remond, der mit seinem Konzept voll im derzeitigen Trend musikalischer Früherziehung liegt. Er beobachtet die Kinder genau, lässt sich auf ihre Eigenheiten ein, und fördert sie behutsam. Über Monate hinweg geschah das in einer kleinen Gruppe mit wenig Neuzugang. Jetzt öffnet Remond den Geräuschladen mit Workshops einer breiteren Kinderschar. So weit es das Wetter erlaubt, will er viel in der Natur auf Klangfang gehen. Und vielleicht entsteht dann eine neue Klangskulptur, die zum Thema „Humus“ passt, dem diesjährigen Motto von „48 Stunden Neukölln“.

Ohrenhoch/der Geräuschladen, Weichselstr. 49, Neukölln
Frühlingsworkshops bis 19.4,  weitere Informationen und Anmeldung unter
info@ohrenhoch.org


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