Kino_Retrospektive: Bambi, Gandhi, Zombie


Eines der ältesten Kinos der Welt: das Kreuzberger Moviemento Foto: Iris Praeke
Horst Hahn
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Natürlich hat Berlin den längsten, größten, dicksten Irgendwas. Natürlich waren die Berliner immer vorneweg, sei es bei der Märzrevolution von 1848, sei es bei der Erfindung der Currywurst. Und auch die Kollegen in Stettin sollen mal den Ball ganz flach halten, mit ihrem „ältesten Kino der Welt“ (Guiness-Buch der Weltrekorde – ha!), dem Pionier, das seit 1909 bespielt wird. Da könnt Ihr Euch 'n Ei drauf pellen. Das Berliner Moviemento hat seit 1907 (nahezu) ununterbrochen offen.

Und noch viel besser: Da das „Lichtspielhaus am Zickenplatz“ damals dem Gastronom Alfred Topp gehört hat, soll so der Begriff „Kintopp“ entstanden sein. Zwischen 1930 und 1959 hieß der Schuppen dann Hohenstaufen-Lichtspiele, zwischendurch mal kurz Das lebende Bild – da wurde Kreuzberg/Neukölln gerade zur Studi-Gegend – danach erst Taki, dann Tali. Selbst das große Berliner Bezirkskinosterben Ende der 70er überlebte das Haus, das damals Manfred Salzgeber gehörte und der für die Rettung vieler kleiner Kinos nie richtig gewürdigt wurde.

1977 jedenfalls wirkte im Tali bereits Wieland Speck, heute Leiter des Berlinale-Panoramas. Nachdem das Rockmusical The Rocky Horror Picture Show in den Ku-Damm-Kinos total gefloppt war, entdeckte er den Film für sein Nachtprogramm. Der Clou: Das Publikum spielte wie schon in den USA und London die Handlung auf der Leinwand im Saal nach. War eine Hochzeit zu sehen, wurde mit Reis geworfen, regnete es, kamen wahre Geschützlafetten voller Wasserpistolen zum Einsatz. Und erklang der Song „There's a Light“, gingen die Feuerzeuge an.

Auch wenn es dem krachseriösen zitty-Redakteur Göllner heute peinlich ist: Er erinnert sich gerne an die Punkerin, die im Kino die Karten abriss und die Leute anschnauzte, die sich beschwerten, wenn der Film mal wieder gerissen war. Das war übrigens – so erinnert sich Wieland Speck – die damalige Freundin von Blixa Bargeld. Und eines Nachts rannte Kollege Göllner nach Rocky Horror nur leicht berauscht, wie er heute unglaubwürdig versichert, über den Kottbusser Damm – und mit beiden Oberschenkeln voll in einen Stacheldrahtzaun auf dem Mittelstreifen. „Vier Stiche auf jeder Seite!“, prahlt der alte Sack heute noch.

Die ständige Party im Kinosaal hatte Folgen. 1984 übernahm Ingrid Schwibbe das stark renovierungsbedürftige Haus und benannte es um in Moviemento. Als ihr Programmchef wurde Tom Tykwer verpflichtet, der sich gerne erinnert, hier seine „filmische Sozialisation mit dem Triple-Feature Bambi, Gandhi, Zombie“ erhalten zu haben. Legendär auch die langen Filmnächte mit der ersten Star-Wars-Trilogie, den Paten-Filmen und allen Folgen von Nightmare On Elm Street.

1997 übernahm dann Klaus Kreiner bis 2002 die Programmierung, danach Ingrid Schwibbe selbst. Und nun, pünktlich zum Jubiläum, ist ein neuer Betreiber eingestiegen: Iris Praefke und Wulf Sörgel haben bereits Erfahrung mit dem Lichtblick und dem Nickeldoeon und fahren ab dem 22. März lauter Meisterwerke aus 100 Jahren Kino auf. Ab dem 29. März wird dann vier Tage lang mit einem „Kinospektakel“ der Geburtstag gefeiert.

22.-28.3.: Meisterwerke aus 100 Jahren Kino
29.3.-1.4.: 100 Jahre Moviemento
Ab 2.4.: Filmreihe „Kreuzberg im Film“ mit Werken wie „Der König von Kreuzberg“, „Allein machen sie dich ein“ oder „Herr Lehmann“


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