- Artikel
- 11.11.2009
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ANTI-THRILLER: The Man from London
Als bekannt wurde, dass der Regisseur Béla Tarr einen Kriminalroman des Belgiers Georges Simenon verfilmen würde, war klar, dass der Ungar mit dem Genre Thriller völlig kompromisslos umgehen würde. Es gibt wenige Filmemacher, deren filmische Handschrift so deutlich erkennbar ist. Auch in „The Man from London“ dominiert sie alles. Die langen Einstellungen, die extremen Großaufnahmen, die langsamen, teilweise irrwitzigen Kamerafahrten, die Stille, unterbrochen nur selten von Dialog, alles fein abgestimmt in Graustufen, ist nicht nur Form, sondern öffnet auch einen ungewöhnlichen Zugang zu den Filmen Tarrs.
Eines Nachts beobachtet Maloin (Miroslav Krobot) von seinem Arbeitsplatz im Hafen aus zufällig einen Mord. Das Opfer fällt samt Koffer ins Wasser, der Täter flieht. Maloin fischt den Koffer aus dem Wasser und findet einen Haufen Geld. Seiner Frau (herrlich gespielt von Tilda Swinton) erzählt er nichts. Nur seiner Tochter macht er Geschenke. Doch bald taucht ein Kommissar auf, und Brown, der gejagte Mörder, will auch nicht auf das Geld verzichten.
In einer Stimmung, in der der Tag kaum von der Nacht zu unterscheiden ist, wandelt Maloin, geplagt von Fragen nach Moral und Sünde durch den Film. Die expressionistischen Bilder des deutschen Kameramannes Fred Kelemen führen ihn durch eine unwirtliche Welt, in der die minutenlange Großaufnahme einer geschlossenen Tür tatsächlich Spannung erzeugt. Der Film erreicht vielleicht nicht ganz das Niveau der düsteren Meisterwerke „Die Werckmeisterschen Harmonien“ und „Satanstango“, ist aber dennoch sehenswert. Natürlich ist dies Kunstkacke, aber saugute. Markus Raska
Ungarn/F/D 2007, 139 min, R: Béla Tarr, D: Miroslav Krobot, Tilda Swinton, Erika Bók, Kinostart: 12.11.
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