Filmfestival - Rotterdam: Rotterdam III – Overprotecting Eltern und mehrere ausgeschlagene Zähne


"Pepperminta" von Pipilotti Rist - Foto: IFFR
Petra Wille
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Man muss nicht immer bis zum Ende der Vorstellung durchhalten – wenn nette Sitznachbarn ebenfalls unruhig werden und ein Kaffee in der Sonne lockt, dann verlässt man auch mal das Kino und schaut vom Dach des Festivalzentrums über diese architektonisch interessante und sich immer wieder verändernde Stadt.

Der Tag begann aber auch mit einer Herausforderung (die durchgestanden wurde): „Valhalla Rising“, der von vielen erwartete neue Film von Nicolas Winding Refn (Die „Pusher“-Trilogie). Mads Mikkelsen spielt einen einäugigen Barbaren, der mit Wikingern und Christen zusammentrifft und mit letzteren Jerusalem befreien will. Die verlassene Gegend, in der sie schließlich landen, ist eindeutig nicht das Heilige Land, gibt aber die Kulisse ab für mystische Begegnungen und brutale Kämpfe. Ein Film voll Schlamm, Blut, Nebel und verschwurbelter Bedeutung, hingegen mit äußerst wenigen Dialogen.

„Dogtooth“ (Regie: Yorgos Lanthimos) ist dann Kontastprogramm: eine griechische Familie mit drei erwachsenen Kindern, die zu ihrer eigenen Sicherheit das Grundstück nicht verlassen dürfen. Sie müssen erst „so weit“ sein. Einflüsse von außen werden hermetisch vermieden, die „Kinder“ werden mit bunten Aufklebern belohnt und zur Not wird auch mal eine Katze zum gefährlichsten Raubtier überhaupt erklärt, um allzu neugierige Fragen abzubiegen.  So wird die Frage, was Zombies seien, mit "kleine gelbe Blumen" beantwortet . Ansonsten tragen Filmdialoge u.a. aus "Rocky IV" und "Der weiße Hai" auf interessante Weise zum Auflehnen der ältesten Tochter bei. Der Film gewann in Cannes in der Sektion Un certain regard.

Zum Thema übertriebener Schutzinstinkt von Eltern passt auch „Mother“ von Bong Joon-Ho („Host“). Ein junger Mann wird wegen Mordes festgenommen und die Beweislage spricht gegen ihn. Seine Mutter und ein Freund sind von seiner Unschuld überzeugt, sie unternehmen Nachforschungen und können den Fall klären – doch das Ergebnis ist eine Überraschung. Was recht nüchtern klingt, ist eine Mischung aus komischen Situationen und beklemmender Umarmung eines Mannes durch seine Mutter, die nicht zulassen kann, dass die Harmonie gestört wird (sie schläft mit dem Sohn in einem Bett). Der Film kommt in Deutschland im August in die Kinos.

Ein schöner Abschluss ist der knallbunte Spielfilm der Schweizer Videokünstlerin Pipilotti Rist – wie ein filmischer Kindergeburtstag, ein Ausbruch aus den entfärbten, geregelten Horizonten unserer durchrationalisierten Welt. Pepperminta hat von ihrer Oma gelernt: Mach das, wovor du am meisten Angst hast und schau was passiert – ein großer Spaß!

Im Festivalclub endet der gar nicht so monothematische Tag. Die Zähne wurden übrigens in „Dogtooth“ ausgeschlagen (die älteste Tochter tut sich selbst Gewalt an) und in „Mother“, um einen Zeugen im Mordfall gesprächiger zu machen.  


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